Lieber Ruediger – ein offener Brief

Der nachfolgende Brief bezieht sich auf eine Begebenheit am vergangenen Samstag. Der Name Rüdiger ist dabei willkürlich gewählt – ich kenne einige wunderbare Menschen, die so heißen – er erschien in dem Moment nur so unheimlich passend.
Lieber Rüdiger,
ich hoffe Du verzeihst, dass ich mich für diese Persönliche Anrede entschieden habe – aber da Du dich dafür entschieden hast uns zu duzen, erscheint es mir nur passend. Ich weiß auch nicht, ob Du dich überhaupt an uns erinnerst. Wir saßen am vergangenen Samstag Abend vor dem Märchenbrunnen – zwei Frauen und drei Männer – jeder mit einem Glas Almdudler in der Hand. Außerdem hatten wir noch in einer Tüte Eis und drei Flaschen Bier bei uns, ebenso wie eine Schale Erdbeeren.
Wir saßen dort und unterhielten uns, genossen den lauen Abend, das Wetter und versuchten noch ein bisschen die Zeit genießen, bevor wir mit dem Kochen anfangen wollten. Falls Du dich fragst was es gab: hausgemachte Lasagne. Nun steht der Märchenbrunnen vor Deiner Wohnung – es ist übrigens ein ganz bezaubernder Vorgarten, den Du dort hast. Als Du mit deinem schnittigen Cabrio aus der Garage gerollt bist, da hast Du uns gesehen – und aus einem Grund, der mir nicht ganz klar ist – hattest Du das Gefühl, dass wir nicht ganz so kultiviert sind, wie es Dir genehm ist. Also hast Du uns mit einem Freundlichen „Aber ihr räumt den Müll da gleich weg“ angesprochen. Ich muss zugeben, im ersten Moment war ich verärgert. Da wir alle zwischen Mitte und Ende Zwanzig sind, ist es sehr respektlos uns zu duzen.
Dann musste ich tatsächlich nachsehen, welchen Müll Du meintest, denn wir hatten nichts bei uns, was man hätte wegwerfen können – die Gläser wollte ich ganz gerne wieder mit nach Hause nehmen, sie wegzuwerfen wäre doch sehr dekadent. Wie gesagt – ich war zu erst verärgert. Dann begann ich an mir herunterzuschauen. Hatte ich löchrige, faltige Kleidung an? Nein. Geduscht hatte ich auch und laut waren wir auch nicht. Und nun, mit etwas Abstand, da ist mir ganz klar, wo das Problem liegt.
Jetzt tust du mir sehr leid, lieber Rüdiger. Das Problem liegt bei Dir, nicht bei uns. Wir hätten auch eine philosophische Lesung auf dem Platz abhalten können und Du hättest uns trotzdem in der Art und Weise angesprochen. Du scheinst zu den Menschen zu gehören, die immer erst das Schlechte in den anderen sehen. Das ist wirklich traurig und ich möchte nicht wissen, wie einsam du letztendlich bist – trotzt der charmanten Begleitung in der Du dich befandest. Was noch viel trauriger ist: Du wolltest erst gar nicht schauen, ob sich deine ablehnende Haltung bestätigte, denn noch bevor wir wirklich etwas entgegnen konnten, legtest Du den Gang ein und fuhrst davon. Auf das nachgerufene: „Sehen wir etwa so aus?“ brülltest Du nur noch ein: „Kann man doch nicht wissen!“. Damit hast Du so viel mehr über Dich preisgegeben, als Dir wahrscheinlich lieb ist.
Wenn Du mit der Einstellung in die Welt brüllst, dann musst Du Dich nicht wundern, wenn sie in eben dieser Art zurück brüllt. Respekt, Höflichkeit und Rücksicht sind für mich besonders wichtig – versuch doch einmal, eben dieses für Dich zu adaptieren. Ich garantiere Dir, es wird Dir besser gehen. Das Leben kann so schön sein. Hab ein wenig Vertrauen – in Andere und auch in Dich. Wenn Du magst, kannst Du Dir beim nächsten Mal ein Glas mit deinem Lieblingsgetränk mitbringen und Dich zu uns setzten – wir freuen uns immer über gute Gesellschaft, fruchtbare Gespräche und schöne Abende.
Herzliche Grüße,
Cathy

Ein paar Gedanken zur Politik – und Wuppertal

Im Zuge eines Gesprächs mit Dieter Hofmann (@homobil) und Astrid Christofori (@AChristofori) auf Twitter möchte ich noch ein paar Worte zur Politik und meiner Meinung zu Politikern verlieren. Warum? Weil es mir ein Bedürfnis ist. Den Anstoß gab das Bürgerbeteiligungsverfahren zum Stadthaushalt in Wuppertal. Für alle die es nicht mitbekommen haben: Es gibt ein Forum in dem Bürger_Innen die Möglichkeit haben ihre Vorschläge einzubringen. Diese können von anderen Leuten aus Wuppertal bewertet und kommentiert werden. Anschließend sollen alle Ideen geprüft werden und – mit etwas Glück – umgesetzt werden (so möglich). Ich finde das ist eine tolle Sache und Möglichkeit. Das größte Problem ist jedoch, dass das ganze kaum beworben wurde. Man setzte voll auf die Medien, doch Radio, Fernsehen und Zeitung erreichen nicht jeden. Einer der Vorwürfe, die man der Stadt nun macht, ist das Fehlen von richtiger Werbung in Form von Plakaten und Flyern. Ich glaube auch, dass es noch mehr Leute erreicht hätte – aber von welchem Geld hätte die Stadt diese Art der Werbung bezahlen sollen?
Gut designte Werbung kostet Geld. Gut gedruckte Werbung kostet Geld. Wuppertal hat viel – Regen, Häuser, Grünflächen – aber sicher kein Geld.
Mit anderen Worten: Glücklich bin ich damit nicht aber zwischen Pest und Cholera entscheiden ist immer doof.
Aber ich komme vom Thema ab. Ich denke das vielen Politikern, die im Stadtrat sitzen, viel an Wuppertal liegt. Ich würde fast behaupten, das macht es für den ein oder anderen nicht leichter im Rat. Durch den teilweise herrschenden Fraktionszwang ist ein Abstimmen nach eigener Meinung manchmal nicht möglich und das ist meiner Meinung nach eine der größten Schwäche der Politik. Sicher spiegelt die Partei in den grundlegenden Dingen wichtige Grundeinstellungen des Einzelnen wieder, aber das trifft nicht auf jede Entscheidung zu. Die Politiker aus Wuppertal die ich näher kennen lernen durfte arbeiten in ihrer Freizeit in ehrenamtlichen Projekten in der Stadt und versuchen Ideen einzubringen und voranzutreiben. Das finde ich gut und da habe ich auch völligen Respekt vor.
Nun befinden sich die Parteien im Wahlkampf und das mutet, wie jedes Mal, ein bisschen wie Krieg an. Keiner mit effektiven, tödlichen Waffen. Meistens fühle ich mich an Kämpfe zwischen Kleinkindern im Sandkasten erinnert. Diskussionen mit stichhaltigen Argumenten, wahrem Inhalt und eigenen Ideen verblassen zwischen Vorwürfen und Formulierungen wie „Die lügen, deren Wahlversprechen sind leer, wir machen alles anders“. Das was und wie es anders gemacht wird, fehlt oft in der Kommunikation. Nun gut, es heißt ja auch Wahlkampf, aber Politik hat für mich mit eigenen Inhalten zu tun. Sicher will jeder die Wahl gewinnen, aber das geht auch mit Niveau. Ich will mich darüber auch nicht weiter auslassen, das habe ich schon mal. Was ich ganz klar sagen möchte und will: Auch da gibt es Ausnahmen. Eine Partei besteht aus Individuen. Es gibt genug Beispiele, wie man (zum Beispiel im Open Data Wuppertal Projekt) miteinander arbeiten kann, obwohl man nicht die gleiche Parteizugehörigkeit hat.
Allerdings ist das, was wir tagtäglich in den Medien sehen eher das Gegenteil. Vor der Wahl werden dem Wähler dann eine Menge Versprechen gemacht, die nicht gehalten werden. Ich denke und hoffe nicht, dass das vorsätzlich geschieht. Aber es sind Versprechen die in vielen Fällen nur dann gehalten werden können, wenn man keine zweite Partei braucht, um die Regierung zu bilden. Allerdings heißt das für mich auch, das was die Parteien da so köcheln kommt nur in abgespeckter Version (wenn überhaupt) auf meinen Teller.
Dennoch habe ich stellenweise wenig bis kein Vertrauen in die Politik, bzw in Politiker. Dazu behindern sie sich untereinander viel zu sehr. Ich habe es leider schon oft erlebt, dass gute Anträge abgelehnt wurden, weil die falsche Partei sie gestellt hat. Und das wirkt so, als sei das Allgemeinwohl weniger wichtig als der Ruf der Partei. Ich bin nicht bereit, die Hoffnung aufzugeben, dass sich das irgendwann ändert – aber im Moment ist das permanente Kämpfen um Macht wenig förderlich. Das beginnt im hochschulpolitischen Kindergarten und wird dann bis auf Landesebene perfektioniert. Ich vertraue darauf, dass es dort viele Politiker gibt, die etwas bewegen wollen – für uns, aber ich habe kein Vertrauen in die Parteipolitik. Ich hätte es gerne – aber dieses Vertrauen muss man sich erarbeiten.
Das alles ist für mich kein Grund meinen Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten. Ich mag Wuppertal. Wuppertal ist eine großartige Stadt und das möchte ich nach Außen tragen. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass sich hier etwas zum positiven verändert. Dafür packe ich die Dinge an, die vor mir liegen und warte nicht darauf, dass es die Politiker, der Rat oder sonst wer tut. Ich kann nicht von anderen erwarten, dass sie „meine“ Stadt voran bringen, wenn ich es nicht selber tue. Das ist nicht immer leicht und ich bin froh, dass ich da nicht alleine stehe, aber ich habe es schon in vielen Beiträgen erwähnt: Ich kann vielleicht die Welt nicht verändern, aber ich kann mein Bestes geben.