Die Macht der 4000

Am vergangenen Dienstag war Rapid Wien zu Gast in der Bayarena. Das Euro-League Rückspiel stand an und der ehemalige deutsche Meister war gekommen, um Punkte mitzunehmen. Ich war wie immer sehr früh im Stadion. Ich mag diese Momente, in denen es noch recht still ist, sich die Reihen langsam füllen und alles lauter wird.

Wie immer waren die Ränge der Leverkusen-Fans noch recht leer. Im Gegensatz zu denen der Wiener – die waren schon da. Mit rund 4000 Mann stellten sie eine eigene Kurve, die größer ist, als die der Heimfans. Jetzt könnte man meinen, dass sie sich mit Bier und Wurst stärkten, ihre Kräfte für das Spiel sammelten. Die Einleitung lässt schon darauf schließen, dass dem nicht so war. Schon gut eine Stunde vor dem Spiel machten die Gästefans Stimmung. Lautstark und möglichst dann, wenn eine Stadionmoderation lief oder aber ein Bericht über Leverkusener Spieler. So laut, habe ich noch nie Gastfans bei uns erlebt – selbst nicht die des angefeindeten, rheinischen Nachbarns.

Dagegen standen (oder saßen) knapp 16000 Leverkusener. Jeder der mathematisch halbwegs fit ist, kann sich jetzt ausrechnen, wie viel lauter wir – die Heimfans gewesen sein müssen. Und jeder der dabei war, wird jetzt herzhaft lachen. Zugespitzt lässt sich sagen: Stimmungstechnisch haben wir das Spiel verloren. Unsere Heimkurve, der C Block war laut. Die Jungs und Mädels dort haben echt alles gegeben und waren auch noch dominanter als sonst. Aber rechts und links daneben, sah es Mau aus. Zwar war es deutlich entspannter, wenn man mal länger stehen geblieben ist (dafür gab es genug Lücken im Publikum), aber richtig Stimmung machen, wollten die wenigsten.

Ich möchte an dieser Stelle wirklich meinen Hut vor den Rapid-Fans ziehen. Die haben über 90 Minuten Vollgas gegeben. Ihre Mannschaft hat sich nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert, trotzdem war die Stimmung unter den Gästen großartig. Es wirkte, als hatten sie Spaß. Nach dem Spiel erst, wurde der Frust rausgelassen und die Mannschaft ausgepfiffen, aber währenddessen war der Wiener grundsätzlich laut. Da haben tatsächlich alle mitgemacht, egal wo sie im Stadion saßen. Mich hat das beeindruckt.

Aber es hat einmal mehr aufgezeigt, woran es in Leverkusen hapert. Es ist besser geworden, der C Block ist (inzwischen) in der Regel über 90 Minuten präsent. Nur über die magische Grenze in den Blöcken daneben geht es nicht. Das finde ich schade. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum man ins Stadion geht, wenn man sein Team nicht anfeuern möchte – im Fernsehn sieht man bei weitem mehr. Ich habe noch nicht aufgegeben zu hoffen, dass es noch besser wird. Wir machen das mit kleinen Schritten, aber gestern ist einmal mehr deutlich geworden, warum das so wunderbar wäre.

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Sicherheit im Fußball

Das Thema Gewalt im Fußball und im Stadion ist zur Zeit präsent, wie langezuvor nicht. Seit ein paar Tagen mache ich mir verstärkt Gedanken darüber, was das für mich heißt und ob ich mich je unsicher im Stadion gefühlt habe. Die Antwort ist ebenso schlicht wie wahr: Nein, das habe ich nicht. Das liegt sicher nicht an den Einlasskontrollen, die sind stellenweise ebenso Freundlich wie nicht gründlich. Aber das finde ich nicht schlimm. Selbst wenn die Stimmung einmal sehr gebrodelt hat, hatte ich das Gefühl, dass alles unter Kontrolle ist und weder mein Leben, noch meine Gesundheit irgendwie in Gefahr ist.

Gestern ging es dann zu Hause gegen Düsseldorf und es war das erste Mal, dass ich froh war, wieder zu Hause zu sein. Das lag ganz sicher nicht an den Fans aus Düsseldorf, genauso wenig wie an unseren eigenen. Das Unwohlsein und schlechte Gefühl wurde mir von der anwesenden Polizei vermittelt.

Es fing damit an, dass wir in Leverkusen aus der Bahn stiegen und sofort eine Beamtin mit Kamera vor uns stand, die mit selbiger filmte wie wir den Bahnhof betraten. Vermittelt wurde damit ganz schnell so viel wie: Ihr seid potentielle Gewaltverbrecher und wir haben euch lieber jetzt auf Band als später. Im Bahnhof wurden dann gleich Düsseldorfer Fans von denen aus Leverkusen getrennt – warum auch immer ließ man uns in einer Gruppe Düsseldorfer zum Stadion gehen – alle Wege und Durchgänge waren versperrt. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich mit meinem Leverkusenschal sehr offensichtlich gar nicht in diese Gruppe hätte kommen dürfen. Passiert ist nichts. Die Fans aus Düsseldorf haben mich entweder nicht wahrgenommen, oder es war ihnen egal.

Die nächste Hürde war es dann, in Richtung des Leverkusener-Fanblocks zu kommen. Wir standen jetzt ja ärgerlicher Weise vor dem der Gäste. Einzige Möglichkeit war es, durch eine Mauer aus Polizisten zu gehen, die wenig Kooperativ waren, was das Durchlassen von Menschen angeht. Auch wenn nichts passiert ist, ich habe mich bedroht gefühlt und man merkte, wie in Stadionnähe, das polizeilich stark abgesichert wurde, die friedliche Stimmung einer angespannteren wich. Das kenne ich so nicht – vielleicht auch, weil in Leverkusen selten ein so großes Aufgebot ist. Überall schwer uniformierte, teilweise ohne Erkennungsmarke positionierte Beamten.

Nach dem Spiel war die Stimmung noch deutlich schlechter. Wieder musste man sich durch von der Polizei gebildete Gassen quetschen. Wäre in einem solchen Moment eine Panik ausgebrochen, möchte ich mir die Folgen nicht ausmalen.

Das ganze hat mich stark nachdenklich gemacht. Mir ist bewusst, dass Polizei notwendig ist, um ein Spiel zu beaufsichtigen und mir ist auch bewusst dass die Männer und Frauen da „nur“ ihren Job machen, aber die Überpräsenz hat bei mir nicht dazu geführt, dass ich mich sicherer fühle. Sie war mehr ein Zeichen dafür, dass jeder damit rechnet, dass etwas passiert und dass sie in jedem von uns den potentiellen Täter sehen. Was ich mit dieser Erkenntnis anfange, weiß ich noch nicht, aber ich denke, dass es wichtig wäre, nicht nur über gewaltbereite Fans nachzudenken, sondern auch über den Beitrag, den die Polizei dazu leistet.