Ein bisschen mehr Ruhe und Achtsamkeit

Es ist zur Zeit still um mich geworden – nicht nur hier, oder anderswo im Internet. Ich suche im Moment ganz bewusst die Ruhe. Wenn ich nach Hause komme, dann fahre ich nicht, wie sonst immer, den PC hoch, starte meine Musik, checke Mails / Facebook / Twitter sondern ich komme erst einmal an. Ich setze mich in meinen Sessel, denke über das nach was am Tag passiert ist, überlege worauf ich jetzt wirklich Lust habe und mache es dann auch. Meistens läuft es entweder auf lesen oder häkeln hinaus. Der Stapel der Bücher die ich lesen will ist über die letzten Monate bedrohlich groß geworden, weil ich mir nicht genug Zeit genommen habe. Dabei kann ich abschalten. Aber auch häkeln ist super (die Tätigkeit, ich bin weit davon entfernt große Kunstwerke zu vollbringen). Im Moment häkeln ich an einem Babydeckchen für ganz besonders liebe Freunde. Ich freue mich über die Farben der Wolle, das Gefühl zwischen den Fingen und natürlich wenn wieder ein Viereck fertig ist. Dabei konzentriere ich mich ganz auf das was ich mache (muss ich auch, sonst verzähle ich mich und das Viereck ähnelt mehr einem wellenförmigen etwas).

Die Dinge bewusst machen: Das habe ich wieder für mich entdeckt. Ich bin in den letzten Jahren so sehr in einen Trott gefallen, in dem ich alles automatisch abgespult habe und irgendwo auch die Freude an vielem verloren habe. Das hat mich ebenso geärgert wie erschrocken. Ich koche total gerne, aber ab einem gewissen Punkt war es abspulen von Routinen, zeitgleiches aufs Handy starren und dem Radio lauschen. Das geht, es ist effektiv, aber es macht mich nicht glücklich. Es ist so schön, das Gemüse zu fühlen, wenn man es schneidet oder es zu riechen.

Dieses ganze Prinzip des Zeitsparens, des immer effektiver werden stört mich. Erst heute habe ich gelesen, wie effektiv es sein kann, Youtube Videos auf doppelter Geschwindigkeit zu schauen – man hört aufmerksame und konzentrierter zu und spart Zeit (vielleicht war es auch ironisch gemeint, ich habe nicht nachgefragt). Davon halte ich nichts. Warum sollte ich da mitmachen? Um noch mehr zu arbeiten? Um noch produktiver zu werden um damit noch mehr Zeit zu sparen um dann… Denn machen wir uns nichts vor, die so eingesparte Zeit habe ich selten genutzt um wirklich abzuschalten und mich zu entspannen. Ich habe sie nicht verwendet um mich mit Freunden zu treffen oder Dinge zu tun, die ich schon immer mal tun wollte. Das tut mir nicht gut. Also habe ich angefangen mein Leben zu entschleunigen.

Wenn ich Musik hören möchte, dann höre ich Musik. Am liebsten auf alten Platten, die ein bisschen kratzen. Dabei mache ich nichts. Ich höre zu. Ich nehme mir am Abend die Zeit dafür. Oder ich liege auf dem Sofa und lese. Ohne Musik. Ich mache nicht mehr zwei Dinge auf einmal – sooft ich kann. Und wenn mir danach ist durchs Internet zu klicken, dann mache ich auch das, aber versuche auch nicht nebenbei zu häkeln, mich zu unterhalten oder zu essen. Sicher, ich höre noch immer Musik wenn ich zur Arbeit gehe, aber ich versuche auf der Arbeit nicht mehr drei Sachen gleichzeitig zu machen. Ich schaue nicht mehr sofort in mein Postfach, wenn ich sehe dass eine neue Mail herein kommt. Ich lasse mir Zeit und mache die Dinge richtig.

Ich bin entspannter. Vor allem wenn es um mich hektisch wird merke ich, wie ich die Ruhe behalte (nicht ewig, dazu kann ich zu aufbrausend sein). Vor allem aber fühle ich mich wohler in meiner Haut und schätze die Dinge, die mich umgeben mehr. Inmitten dieser ganzen Phase der Achtsamkeit habe ich das Buch „Muße: Vom Glück des Nichtstuns“ von Ulrich Schnabel gefunden. Ich habe es noch immer nicht ausgelesen, aber es spricht genau diese Dinge an, mit wundervollen Beispielen und Thesen zu diesem Thema. Das Buch ist grundsätzlich recht banal, die meisten Sachen, die dort beschrieben werden, sind uns wahrscheinlich eh klar aber dennoch setzen wir sie nicht um und das ist traurig. Ich kann die Lektüre nur empfehlen.

Jetzt werde ich mich wieder meiner Hühnersuppe widmen, mich ein kleines bisschen wie eine Oma fühlen und den Abend genießen… Und ihr?

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3 Kommentare zu “Ein bisschen mehr Ruhe und Achtsamkeit

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