Im Paradies gibt es Mücken – ein ganz besonderer Urlaub

Der ein oder andere hat es vielleicht mitbekommen: Ich war im Urlaub. Nachdem wir im letzten Jahr auf Borkum entspannt haben ging es nun nach Italien, genauer gesagt nach Capena und Rom. Ich glaube es war der erste Urlaub, auf den ich mich so gar nicht vorbereitet habe. Ich bin eigentlich jemand, der alles genau plant, sich anschaut was es sehenswertes gibt, Listen schreibt und… und… und… Dieses Mal hatte ich dafür keine Zeit. Die letzten Wochen waren turbulent und stressig, so dass ich völlig unvorbereitet in den Flieger gestiegen bin. Die Anreise war sehr entspannt, Alle Züge waren pünktlich, am Flughafen war nicht viel los, der Flug an sich war super und auch den Zug, der uns in Italien zum Hauptbahnhof bringen sollte haben wir schnell gefunden. Dort haben wir uns mit Freunden getroffen, die hier in Wuppertal unsere Nachbarn sind. Zusammen sollten wir 8 entspannte Tage verbringen.

Ich habe noch nicht viel von Europa gesehen, aber in Italien ist man doch gleich in einer ganz anderen Welt. Rom war schon auf den ersten Blick sehr voll und laut und ich muss gestehen, dass ich froh war als wir die Altstadt von Capena erreicht haben. Dort kennt man in der Regel keine Touristen. Hotels gibt es nicht und alles ist sehr klein und kuschlig. Die Oma unseres Nachbars hat dort gelebt und ihr Haus sollte nun unser zu Hause für die nächsten Tage werden. Es ist ganz einfach eingerichtet, fast schon spartanisch. Heißes Wasser muss erst im Boiler warm gemacht werden, gekocht wird auf Gas. Die auf mehrere Ebenen verteilten Räume sind unterschiedlich hoch und durch ihre Schlichtheit wahnsinnig gemütlich. Ich hatte sofort das Gefühl zur Ruhe zu kommen. Das High Light war jedoch ganz klar die Dachterrasse, von der aus man nicht nur in der Ferne Rom erahnen kann, sondern auch einen wundervollen Blick ins Grüne und auf das Dorf hat. Zusammen mit Sonnenuntergängen, Wein, gutem Essen und Gesprächen ein wahrlich perfekter Ort.

Wir haben die meiste Zeit dort verbracht. Morgens gab es einen Cappuccino und ein Brioche in einer örtlichen Bar – ein Ort an dem das Leben den ganzen Vormittag pulsiert. Zwischen klappernden Tassen, tratschenden Mamis und gemütlichen Opas hatte man schnell das Gefühl mit zum Dorfgefüge zu gehören. Um so krasser war es aus dieser kleinen Idylle nach Rom zu fahren. Sofort ist man gefangen zwischen Reisegruppen, die von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen um dort verwackelte Photos mit dem iPad zu machen. Der Trevi-Brunnen wird zur Zeit restauriert und ist zu großen Teilen abgehangen. Das hält die Leute dennoch nicht ab zu fotografieren. Selten sieht man jemanden, der sich die Orte / Bauten / Skulpturen / Bilder vor denen er steht, wirklich anschaut. Schnell ein zwei Fotos und dann weiter im Programm. Das ist zwar interessant zu beobachten, kann aber auch echt nerven. Besonders schlimm war es im Petersdom. Wir haben rund 1,5 Stunden gebraucht um ihn uns anzuschauen (plus etwa 30 Minuten die wir gebraucht haben um rein zu kommen). Ich bin kein großer Fan der katholischen Kirche, aber der Dom ist dennoch wirklich bemerkenswert. Beeindruckend sind allerdings auch die Touristen, die in 10 Minuten einmal durch das Gebäude hetzen, Fotos machen und wieder weg sind. Ich wage zu bezweifeln, dass man in so kurzer Zeit wirklich viel sehen – geschweige denn aufnehmen kann. Nehmen wir nur die Pietà von Michelangelo als Beispiel: Die Skulptur ist so komplex, so schön, dass man einige Zeit braucht um sie ganz wahrzunehmen, mit all ihren kleinen Details und Feinheiten. Doof, wenn sich alle 30 Sekunden ein neuer Rücken vor einen schiebt um mal eben drei bis vier Fotos zu knipsen.

Weiter hinten im Dom fand ein kleiner Gottesdienst statt, der auch gut besucht war. Vor der Absperrung dann die Touristen die versucht haben die Betenden zu fotografieren. Ganz ehrlich? Da braucht man mehr als dicke Füße für.

Kurz zusammen gefasst: Rom wird nicht meine liebste Stadt. Sicher, die historischen Bauten und die vielen Kirchen sind eindrucksvoll, aber man hat das Gefühl, dass die Stadt sich selbst darauf auslegt möglichst viele Touristen in wenig Zeit durch die engen Gassen zu schleusen. Ich habe viel Interessantes, beeindruckendes und schönes gesehen aber dennoch war es alles zu touristisch und ein bisschen sehr wie in Disney World. Insgesamt war ich an 2,5 Tagen in Rom. Den dritten Ausflug musste ich leider sausen lassen. Der Grund dafür waren die Mücken, die neben Katzen ganz Capena bevölkern. Wir haben Abends grundsätzlich den ein oder anderen Stich abbekommen und bei schwüler Mittagshitze diverse der Tierchen in den Schlafzimmern erschlagen müssen, aber einige Tage vor unserer Abreise wurde das ganze dann noch einmal auf die Spitze getrieben.

Dem ein oder anderen ist Rosina Wachtmeister vielleicht ein Begriff. Sie ist nicht nur Künstlerin sondern war in Capena auch unsere Nachbarin. Wir hatten das große Glück sie in ihrem wirklich einmaligen Garten besuchen zu dürfen. Das Grundstück ist riesig. Dort leben Tiere, die sie von der Straße, aus Zoos und dem Zirkus gerettet hat. Hunde, Pelikane, ein Strauß, Katzen und diverse andere Vögel. Überall in dem Garten stehen Mosaikarbeiten und Häuser, die entweder für die Tiere, Arbeiter oder Gäste individuell gestaltet wurden. Ich habe selten so viel schönes gesehen und bin nach wie vor tief beeindruckt. Dort wurde ein kleines Paradies geschaffen – mit Liebe zum Detail, Gemütlichkeit und so viel Wärme. Allerdings gab es dort auch Mücken. Viele Mücken. Wenn man an sich runter schaut und an seinem Bein ein schwarzes Knäul an stechenden Viechern sieht, dann ist das echt kein schönes Gefühl. Das Ende vom Lied: 72 Mückenstiche am rechten Unterschenkel und noch einmal ca. 30 am linken. Das juckt nicht nur, das tut auch höllisch weh. Am nächsten Tag waren meine Beine angeschwollen und laufen nicht mehr ohne Schmerzen möglich. Also habe ich den Tag mit kalten, nassen Handtüchern verbracht und gehäkelt. So fies es auch klingt (und in dem Moment auch war) ich bereue den Besuch in dem Garten keine Sekunde und auch der Tag war trotz allem sehr entspannt und zum Ende des Urlaubs noch einmal sehr wohltuend. Inzwischen juckt es kaum mehr und sieht auch nur noch halb so schlimm aus, aber für mich ist klar, dass ich nie wieder ohne Autan oder ein gutes Mittel gegen Insektenstiche in den Urlaub fahre.

Alles in allem hatten wir einen wirklich wundervollen Urlaub, der grade durch die kleinen Dinge so besonders war. Ich erinnre mich gerne an die lauen Abende auf der Terrasse, den Wein, den Kaffee, die Kartoffelpizza und vor allem an die guten Gespräche, die Ruhe und das Warten auf den Bus (ein fast tägliches Ritual).

Blick in Richtung Rom Ein Glas Wein Sonnenuntergang

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