Ehe fuer alle – warum ich nicht heiraten will

Manchmal sind es kleine Aussagen, die einen Gedanken anstoßen der sich dann, ähnlich einer Lawine, verselbstständigt. Auslöser für diesen Blogpost ist ein Gespräch beim gestrigen Mittagessen bei dem der Satz im Raum stand: „Solange Homosexuelle nicht heiraten dürfen, werde ich es auch nicht tun!“ Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr ich das innerlich gefeiert habe und es noch immer tue. Jetzt müssen wir natürlich erst einmal differenzieren, was Ehe oder Heirat für mich bedeutet.

Es gibt zwei Arten der Ehe – die kirchliche und die staatliche. Ich erwarte nicht, dass die Kirche in den nächsten Jahren ihre Tore für eine gleichgeschlechtliche Ehe öffnet. Da sitzen viel zu viele Glaubenssätze zu tief und zu fest um „mal eben“ gelöst zu werden. Aber das schöne ist, wir sind nicht mehr gezwungen kirchlich zu heiraten. Für mich kommt das zum Beispiel auch nicht in Frage. Ich muss nicht von einem Vertreter Gottes bestätigt bekommen, dass ich mit meinem Partner offiziell zusammen leben darf. Ich brauche nicht den Segen der Kirche um einem Menschen die Treue zu halten oder mich als Teil eines „wir´s“ zu fühlen.

Dann gibt es noch die Ehe, die man auf dem Standesamt schließt – sie ist gesetzlich anerkannt, verschafft beiden Ehepartnern Vorteile und… und… und… Ich denke grade dieser Gedankengang wurde in den letzten Monaten zu Genüge ausgeführt. Geschlossen wird die Ehe hier von einem Standesbeamten – der Teil der Verwaltung eines Bundeslandes ist. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Vertreter des Landes in dem wir leben, der nach der aktuellen Rechtsprechung unseres Landes handelt. Nun zeigt sich hier dass unsere Rechtsprechung grade in dem Punkt den Menschenrechten widerspricht. Das ist etwas, dass mich immer wieder den Kopf schütteln lässt. Im ersten Artikel der Menschenrechte heißt es: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen“. Wenn alle Menschen gleich sind, warum dürften dann einige heiraten und andere nicht? Mir fallen da tatsächlich nur religiöse Gründe ein, aber wir wissen ja, dass Kirche und Staat voneinander getrennt sein sollen.

Die Betonung liegt hier auf sollen. Die Begründungen der Parteien, die sich gegen eine Gleichstellung der Ehe aussprechen sind hanebüchen. Allen voran der Schutz der Begrifflichkeit „Ehe“ – der somit nichts mehr wert ist und der Schutz der Kinder. Eine Schlüssige Erklärung dafür, warum Kinder vor Homosexuellen in einem familiären Kontext geschützt werden müssen, gibt es nicht. Auch hier haben andere Leute genau diesen Gedankengang schon wunderbar ausgeführt, weswegen ich nur noch einmal betonen möchte, dass Kinder Erwachsene brauchen, die sie lieben, die ihnen Schutz, Nahrung und ein stabiles Umfeld bieten. Es gibt keinen Grund dafür, dass Homosexuelle das nicht können. Es handelt sich hier um Menschen – und die sollten vor dem Gesetzt gleich sein.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, das jeder sein Konzept der Ehe überdenkt – dass wir die romantische Verklärung streichen und uns von dem Hollywood- und Rosamunde Pilcher Klischee lösen und die Ehe als das stehen lassen was sie ist – die Verbindung zwischen zwei Menschen, die den Rest ihres Lebens miteinander verbringen wollen und dabei eine rechtliche Absicherung wünschen.

Ich kann mich meinem Kollegen nur anschließen: Solange Homosexuelle nicht heiraten dürfen und die gleichen Rechte bekommen wie Heterosexuelle werde ich auch nicht heiraten. Es kommt mir falsch vor Vorteile und eine rechtliche Absicherung zu haben, wenn das nicht allen möglich ist. Ich weiß, damit kann ich die Welt nicht ändern und der Politik wird es auch herzlich egal sein, aber ich kann nicht erwarten dass sich jemals etwas bewegt, wenn ich nicht bereit bin meinen Teil dazu zu tun.

 

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Sie leben, sie leben!

Es ist jetzt etwas mehr als einen Monat her, mein spontaner Pflanzenkauf. Ich denke ich spreche nicht nur für mich wenn ich sage: „Was? Die leben noch?“. Innerlich hüpfe ich dann ganz aufgeregt herum, klatsche in die Hände und brülle ein lautes: „Ja! Ja! Ja!“ in die Welt. Inzwischen stehen die vier Schätzchen draußen im Blumenkasten (Frau Schneckspeck, jaaaaaaaaaa du hattest Recht) und wachsen nun munter weiter.

An der frischen Luft liegt ihr Überleben allerdings nicht. Ich habe ganz, ganz tolle Paten gefunden (vielen lieben Dank an @Sabberschnauze, @malertrynoga und @Der_Senser), die mich wöchentlich daran erinnern, den Pflanzen Wasser zu geben. Und selbst wenn sie es mal nicht täten, ich würde es nicht übers Herz bringen ihnen zu sagen, dass ihr Pflanzenkind einen qualvollen Dursttod gestorben ist. Ich kann also sagen, das Prinzip funktioniert, liebe Pflanzentöter Wenn ihr es grün in der Wohnung haben wollt und es euch nicht zutraut: sucht euch Paten!

Inzwischen habe ich sogar zwei neue Mitbewohner, die mein Wohnzimmer schmücken (ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wie sie heißen. Sie waren hübsch, bunt und standen da so traurig) und einen gut wuchernden Basilikum. Ich habe mir keine weiteren Paten gesucht, aber dennoch leben alle drei noch, denn jetzt hat mich der Ehrgeiz gepackt. Ich möchte mir ein Stück weit beweisen, dass ich in der Lage bin, Blumen am Leben zu halten. Und im Zweifel gieße ich sie, wenn ich eh eine „große“ Runde drehe.

Ich hoffe die Motivation bleibt mir. Vielleicht traue ich mich dann auch mal an eine Orchidee (und spätestens dann kriege ich ein Platzproblem) oder noch mehr Nutzpflanzen. Im Moment will ich glaub ich nen Garten. Aber ein bisschen spinnen ist ja wohl gesund.