Hallo Egos – die Welt dreht sich nicht um euch!

In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass ich ein zunehmendes Problem mit Menschen habe. Grundsätzlich finde ich sie spannend und ich mag es, möglichst „bunte“ Menschen um mich zu haben, aber die Euphorie nimmt stetig ab. Grund dafür sind scheinbar mangelnder Respekt und fehlende Rücksichtnahme – zwei für mich elementare und lebensnotwendige Dinge. Sie gehören für mich dazu, wie die Luft zum atmen.

 

Woran das liegt, kann ich nicht sagen – woran ich es festmache schon eher. Es fängt bei kleinen Dingen an; Sei es der nicht angebotene Platz für ältere Damen und Herren im Bus, oder gar Menschen mit Gebrechen, das „im Rudel über den Bordstein gehen“ und dabei andere Menschen auf die Straße drängen – selbstredend auch Kinder oder aber so simple Dinge wie das ins Wort fallen.

 

Ich mag da empfindlich sein, das ist mir bewusst, aber ich denke, dass ein Respekt- und Rücksichtsvoller Umgang elementare Basis für ein Miteinander ist. Um so mehr verletzt es mich, wenn Leute völlig Gedankenlos, völlig ohne jeden Respekt vor dem Gegenüber handeln. Sicher, der Mensch ist von Natur aus erst einmal auf Selbsterhalt getrimmt, aber möchte ich wirklich in einer Welt leben, in der sich jeder selbst der Nächste ist? Frei nach dem Motto: wenn ich laute Musik hören möchte, dann muss die eben jeder hören! Wenn ich den Bürgersteig ganz für mich haben will, dann muss eben jeder Platz machen! Wenn ich meinen eigenen Standpunkt klar machen will, dann darf ich das über das Schlechtreden anderer! Ihr habt da etwas zu Stande gebracht? Ist nicht so wie ich es will, also ist es Scheiße! Und wie oft werden Dinge gesagt, ohne dar über nachzudenken, dass sie andere ernsthaft verletzen können weil is ja so, lebt damit! Hallo Egos – die Welt dreht sich nicht um euch!

 

Ich finde das abstoßend. Für mich hat jeder Mensch einen respektvollen Umgang verdient – ob ich ihn mag oder nicht. Es bringt mich nicht um, höflich zu sein. Es fällt mir nicht mal schwer, Menschen die ich nicht mag, die Wertschätzung für ihre Arbeit und Leistung entgegen zu bringen, die sie dafür verdient haben. Ich weiß und bin froh, dass ich mit dieser Art zu denken nicht alleine bin. Aber manchmal schnürt es mir regelrecht die Luft ab, wenn ich sehe wie Gedankenlos manche Menschen andere verletzen oder missachten, nur um ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

 

Ich frage mich des öfteren, ob den Leuten bewusst ist, wie sich ihr Gegenüber fühlt – oder ob es ihnen schlichtweg egal ist. Das viele sich gesellschaftlich verpflichtet fühlen eine gewisse Art des „guten Umgangstons“ zu wahren zeigt sich, wenn die Frage „Wie geht es dir?“ kommt. Ich freue mich ja immer, wenn jemand so weit auf andere zugeht – schade nur, dass viele nicht einmal mehr an der Antwort interessiert sind. Wir sind so tief in einer Egogesellschaft angekommen, dass ich nicht wissen möchte, wo wir in ein paar Jahren stehen. Mir bleibt es zu hoffen, dass respekt- und rücksichtsvoller Umgang nicht ganz aus unserem Miteinander verschwinden. Ich kann für mich ganz klar sagen: Solche Menschen will und möchte ich weder in meinem Leben, noch in meinem Umfeld haben!

 

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4 Kommentare zu “Hallo Egos – die Welt dreht sich nicht um euch!

  1. Beim Lesen dieses Beitrag fiel mir ganz spontan das Buch v. H-P. Röhr „Narzissmus – Der Eisenofenmensch“ ein, der schon vor längerer Zeit auf die zunehmende Entwicklung des Narzissmus in unserer Gesellschaft verwies:
    [Zitat]
    „Maßlosigkeit sowie eine ausbeuterische Haltung sich selbst u. anderen gegenüber prägen das Lebensgefühl unserer Gesellschaft. Leere und Langeweile gelten als weitere Symptome. Um sie zu überwinden und um sich selbst zu spüren, werden zunehmend stärkere Reize gesucht. Durch das Leben in Extremen, durch Perfektionismus u. Vollkommenheitswahn entfernt sich der „angepasste“ Mensch immer weiter von seinen wahren Gefühlen. Mit anderen Worten: „Unsere Gesellschaft fördert die Entwicklung des falschen Selbst.“ [,,,] „Die klare emotionslose Betrachtung einer Sachlage ist das Ziel in unserer technischen Zivilisation u. wird vielfach trainiert. Intellektualität ist gefordert, sie allein erscheint gesellschaftsfähig. „Cool sein“ ist auch eine Devise der Jungendlichen. Gefühle werden sorgsam versteckt, kontrolliert u. beherrscht. Dadurch wird das Klima in unserer Gesellschaft zunehmend kälter u. rücksichtsloser.“ […] Der typische Narzisst, selbstbezogen u. rücksichtslos, erfült vorzüglich die Bedinungen, die in der Wirtschaft gefragt sind u. hat alle Chancen, Karriere zu machen. Menschen, die dem mörderischen Wettbewerb nicht mehr standhalten, fallen durch das Raster. Zur Zeit ist eine eigentl. Trendwende, die auf das Abnehmen d. Nazissmus-Problematik in der Gesellschaft hinweisen würde, nicht in Sicht. Im Gegenteil: Das Phänoment der Entsolidarisierung lässt sich weltweit beobachten.“

    Abschließend kann man noch hinzufügen: Das, was wir als Kinder erlernen (v. unseren Eltern, Lehrern, Gesellschaft) nehmen wir (unreflektiert) mit ins Erwachsenenalter.

  2. @Kata Einschränkend sollte man vielleicht sagen, dass dies ein eher westliches/kapitalistisches Phänomen ist, in kollektivistischeren Gesellschaften ist Narzissmus deutlich weniger verbreitet, dies ist allerdings wohl mit einem nicht minder hohen Maß an abhängigen/selbstunsicheren Persönlichkeiten erkauft. So hat auf eine perfide Art jeder seins.

    In Ergänzung zu dem Artikel, dessen Grundaussage ich teile, möchte ich neben der Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen auch jene gegenüber sich selbst erwähnen. Scheinbar immer häufiger gehen Menschen über ihre Belastungsgrenze und brauchen erst das vermeintliche Burnout oder eine Panikattacke um mal, wenn auch nur ein paar Tage, Pause machen zu können und aus dem „Hamsterrad“ aussteigen zu können.
    Auch wenn das vielleicht etwas weit führt, aber ich halte das für ein Resultat einer neoliberalen Propaganda à la Initiative Neue Soziale Markwirtschaft. Genauso wie die endlose verbale Reproduktion einer vermeintlichen „Krise“ in das selbe Horn stößt und sich völlig von der Realität entkoppelt. Hauptsache die Leute bleiben nicht so oft krank zu Hause oder sehen sich in Gedanken immer mit den acho so fleißigen Chinesen wetteifern – den Arbeitgeber freut sowas natürlich.
    Und, um zum Artikel zurückzukommen, in einer auf diese Art wahrgenommenen Welt ist es dann natürlich auch gefährlich Rücksicht zu leben, weil dies ja bedeutete vom seinem Optimum abzurücken und einen Teil seiner Energie/Ressourcen an andere zu „verschwenden“.

  3. Bezaubernd. Bedeutend. Berechtigt. Vielen Dank dafür.
    Ich war auch kurzzeitig motiviert den Kampf mit den Egotrippern dieser Welt aufzunehmen bis mir bewusst wurde wie oft es mir selbst nicht gelungen ist selbst bei von mir geliebten Menschen aufmerksam zu zuhören.
    Damals? Vorgestern!
    Befinde mich also , gemäß Darwin wohl ziemlich am Anfang.
    Von daher ziehe ich mich verschämt zurück und versuche meine , kleine schmutzige Lebensecke aufzuräumen. Aber dann kehre ich zurück.
    Siehste.Ich denke schon wieder nur an mich. Aber Geduld. Ich lerne noch.
    Tolles Stück!

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