Meine neuen Mitbewohner – Pflanzen suchen großes Herz

Ich habe ein neues Projekt. Ein Großprojekt, wenn man es genau nimmt. Ich habe mir Pflanzen für meine Wohnung gekauft. Vier Stück, ein kleiner Strauch Rosmarin und drei mal Lavendel. Wer mich kennt, wird jetzt entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, beim Pflanzenschutzbund anrufen oder mich einfach für unverbesserlich erklären.

 

Ich kann die Reaktionen verstehen. Ich habe bis jetzt jede Pflanze tot bekommen. Ja, sogar Efeu und die sind angeblich unkaputtbar. Sollte euch das irgendwann ein Florist erzählen: vertraut meiner Erfahrung, die Dinger können sterben. Jetzt habe ich also vier neue Pflänzchen und momentan ist die Motivation hoch, sie am Leben zu halten. Ob es mir gelingt, kann ich jetzt noch nicht sagen, aber ich werde euch wohl auf dem Laufenden halten. Ich hoffe ganz einfach, dass irgendjemand daran denkt sie zu gießen (müsste wohl ich sein). Alternativ hoffe ich, dass mich jemand regelmäßig daran erinnert.

 

Ich wär ja sogar bereit euch Pflanzenpatenschaften einzuräumen. Ihr erinnert mich wöchentlich daran eure „Patenpflanze“ zu gießen und im Gegenzug schicke ich euch putzige Pflanzenbilder und ihr dürft ihnen Namen geben. Na, jemand Interesse? So lange stehen Bob 1 – 4 hier rum und hoffen, am Leben zu bleiben. Und ich hoffe es mit ihnen!

Hallo Egos – die Welt dreht sich nicht um euch!

In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass ich ein zunehmendes Problem mit Menschen habe. Grundsätzlich finde ich sie spannend und ich mag es, möglichst „bunte“ Menschen um mich zu haben, aber die Euphorie nimmt stetig ab. Grund dafür sind scheinbar mangelnder Respekt und fehlende Rücksichtnahme – zwei für mich elementare und lebensnotwendige Dinge. Sie gehören für mich dazu, wie die Luft zum atmen.

 

Woran das liegt, kann ich nicht sagen – woran ich es festmache schon eher. Es fängt bei kleinen Dingen an; Sei es der nicht angebotene Platz für ältere Damen und Herren im Bus, oder gar Menschen mit Gebrechen, das „im Rudel über den Bordstein gehen“ und dabei andere Menschen auf die Straße drängen – selbstredend auch Kinder oder aber so simple Dinge wie das ins Wort fallen.

 

Ich mag da empfindlich sein, das ist mir bewusst, aber ich denke, dass ein Respekt- und Rücksichtsvoller Umgang elementare Basis für ein Miteinander ist. Um so mehr verletzt es mich, wenn Leute völlig Gedankenlos, völlig ohne jeden Respekt vor dem Gegenüber handeln. Sicher, der Mensch ist von Natur aus erst einmal auf Selbsterhalt getrimmt, aber möchte ich wirklich in einer Welt leben, in der sich jeder selbst der Nächste ist? Frei nach dem Motto: wenn ich laute Musik hören möchte, dann muss die eben jeder hören! Wenn ich den Bürgersteig ganz für mich haben will, dann muss eben jeder Platz machen! Wenn ich meinen eigenen Standpunkt klar machen will, dann darf ich das über das Schlechtreden anderer! Ihr habt da etwas zu Stande gebracht? Ist nicht so wie ich es will, also ist es Scheiße! Und wie oft werden Dinge gesagt, ohne dar über nachzudenken, dass sie andere ernsthaft verletzen können weil is ja so, lebt damit! Hallo Egos – die Welt dreht sich nicht um euch!

 

Ich finde das abstoßend. Für mich hat jeder Mensch einen respektvollen Umgang verdient – ob ich ihn mag oder nicht. Es bringt mich nicht um, höflich zu sein. Es fällt mir nicht mal schwer, Menschen die ich nicht mag, die Wertschätzung für ihre Arbeit und Leistung entgegen zu bringen, die sie dafür verdient haben. Ich weiß und bin froh, dass ich mit dieser Art zu denken nicht alleine bin. Aber manchmal schnürt es mir regelrecht die Luft ab, wenn ich sehe wie Gedankenlos manche Menschen andere verletzen oder missachten, nur um ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

 

Ich frage mich des öfteren, ob den Leuten bewusst ist, wie sich ihr Gegenüber fühlt – oder ob es ihnen schlichtweg egal ist. Das viele sich gesellschaftlich verpflichtet fühlen eine gewisse Art des „guten Umgangstons“ zu wahren zeigt sich, wenn die Frage „Wie geht es dir?“ kommt. Ich freue mich ja immer, wenn jemand so weit auf andere zugeht – schade nur, dass viele nicht einmal mehr an der Antwort interessiert sind. Wir sind so tief in einer Egogesellschaft angekommen, dass ich nicht wissen möchte, wo wir in ein paar Jahren stehen. Mir bleibt es zu hoffen, dass respekt- und rücksichtsvoller Umgang nicht ganz aus unserem Miteinander verschwinden. Ich kann für mich ganz klar sagen: Solche Menschen will und möchte ich weder in meinem Leben, noch in meinem Umfeld haben!