Deutsche Politik – Ein Käfig voller Narren

Dieses Jahr ist es mal wieder so weit. Deutschland wählt eine (neue?) Bundesregierung und die ersten Ausläufer dieses Tsunamis haben unsere Küsten schon erreicht. Wie in jedem Wahljahr, habe ich jetzt schon keine Lust mehr auf das ganze Drama. Es ist nicht so, dass ich mich nicht für Politik interessiere und ich mir nicht eine möglichst große Aufmerksamkeit für sie wünsche, aber auch in diesem Jahr scheinen sich deutsche Politiker ihr Armutszeugnis selber ausstellen zu wollen.

Das Wahljahr beginnt mit Skandalen, die medial so hochgeschaukelt werden, dass sie jedem bestens im Kopf bleiben. Die FDP hat ihr Fett weg bekommen auf Grund der Aussagen Rainer Brüderles, die CDU durch die Plagiatsaffäre Annette Schavans und die Piraten durch die internen Unruhen. Fehlen also noch die Linken, die scheinbar niemand richtig ernst nimmt, die SPD, die grade am lautesten über die anderen Parteien schimpft und die Grünen, die ihre Spitze scheinbar auch nicht richtig sortiert haben.

Was mir dabei am meisten auf die Nerven geht, ist das gegenseitige übereinander Herziehen. Es gilt wie immer: Wer keine eigenen Argumente oder Inhalte hat, zieht die der politischen Konkurrenz in den Schmutz. Respekt liebe Parteien, ihr habt es schon immer verstanden, wie man Wahlwerbung macht. Aber ehrlich: ist das nicht ein bisschen erbärmlich? Ist es so schwer, sich aus diesem Spiel zu lösen? Ist es so schwer, eigene Inhalte zu bieten? Ist es so schwer, sich zu positionieren und dabei den Zeigefinger mal in der Tasche zu lassen?

Liebe deutsche Politik, ich wünsche mir von Herzen, dass es in diesem Jahr anders läuft. Ich wünsche mir, dass ihr mit euren eigenen Inhalten Wahlwerbung macht – oder habt ihr keine? Die Schlammschlachten gehören auf Podiumsdiskussionen oder in TV-Duelle, nicht auf Plakatwände oder in eure Wahlwerbung. Das ist erbärmlich und unwürdig. Das sagt doch nichts anderes aus als: „He, wir haben euch nichts zu bieten, aber alle anderen sind doof!“. Das könnt ihr doch nicht wollen.

Ich erwarte anderes von der Politik und auch von Politikern. Ich weiß, dass ich da wahrscheinlich noch lange warten kann, denn das oftmals infantile Streiten um Puppen und Schüppen im Sandkasten Bundestag zeigt, wie weit der Weg noch ist. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und wer weiß, vielleicht bestimmt in kurzer Zeit die deutsche Medienlandschaft, was politisch läuft und was nicht – wie gut das funktioniert hat man ja schon mehrfach gesehen…

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Ein Aufschrei, der aus dem Ruder gelaufen ist

Ich habe lange überlegt, ob ich etwas zu der #Aufschrei Debatte schreiben soll. Ursprünglich wollte ich es nicht tun, denn schon nach wenigen Minuten war klar, egal was ich schreibe, ein Lager wird mich auf jeden Fall zerfleischen. Das dramatische dabei: es sind alles Frauen die dort jetzt in einen Kleinkrieg gegeneinander ziehen, anstatt zusammen gegen Machtmissbrauch vorzugehen – denn darum ging es doch am Anfang, oder nicht?

 

Jetzt habe ich allerdings das Gefühl, fast zu platzen, also schreibe ich, in dem Wissen, dass ich mich ganz schnell unbeliebt machen kann. Auslöser dafür waren zwei Situationen in denen mir Männer, die ich recht gut kenne, mitgeteilt haben, dass sie mir jetzt nicht sagen würden, ich sähe toll in dem Kleid aus, weil sie keinen Aufschrei riskieren wollen. Ich gebe zu, das entsetzt mich noch immer. Aber satteln wir das Pferd nicht von hinten auf.

 

Beginnen wir mit einer jungen Frau, die ein Problem damit hat, das ein (zugegeben sehr unattraktiver) Mann ihr mitteilt, dass sie ne tolle Oberweite hat. Passiert mir auch ab und an mal. Ich bedanke mich charmant und wenn ich mich nicht unterhalten will, dann gehe ich. Ich kann jedoch verstehen, das Frauen mit wenig Selbstbewusstsein sich in so einer Situation unwohl fühlen. Was da noch hinter steckt weiß ich nicht. Ehrlich gesagt fand ich die Geschichte wenig spannend und als dann der Shitstorm ausgebrochen war, war es schwer herauszufinden, was Ursprungsgeschichte war und was nicht.

 

Alles was bei mir ankam war, dass eine große Gruppe von Frauen darauf aufmerksam machte, dass Männer ihre Machtstellung ihnen gegenüber missbraucht haben. Ehrlich? Das finde ich großartig und wichtig. Ich denke, das ist jeder von uns schon passiert, in einem mehr oder minder großem Ausmaß. Dazu gehört natürlich auch, als ein Sexobjekt angesehen zu werden. Ich werde nicht gerne nur auf meine Äußerlichkeiten reduziert – allerdings ist es das Erste, was meinem Gegenüber ins Auge springt.

 

Wenn man nun kein großes Selbstbewusstsein hat, dann mag es nicht gut ankommen, wenn man für sein Dekolleté gelobt wird, erwähnt wird dass das Kleid das man trägt super aussieht oder man auch in diesem oder jenem Fummel ne Wucht wär. Passiert mir das, wäge ich ab, wie sympathisch mir mein Gegenüber ist, bedanke mich artig oder steige darauf ein. Ich mag meinen Körper, ich weiß worin ich gut aussehe und worin nicht. Und wenn wir jetzt mal ganz ehrlich sind, liebe Damen, wenn uns ein Mann gegenüber steht, dann schauen wir ihm auch auf seinen Hintern, nehmen Dinge wie sinnliche Lippen, ein dominantes Kinn, ne tolle Figur oder… oder… oder wahr und viele haben auch kein Problem damit das zu artikulieren. Liebe Herren, wo bleibt euer Aufschrei?

 

Etwas gänzlich anderes ist es, wenn mich jemand anfasst, ohne dass ich es will. Dann wehre ich mich und auch dann ist ein Aufschrei auch mehr als nur an der Tagesordnung. Aber warum fällt es so vielen Frauen noch immer so schwer zu sehen und sagen, he, ja verdammt, ich hab Brüste, ich habe nen tollen Körper, ich habe Kurven, ich habe ne super Figur, ich bin attraktiv und anschauenswert und es ist völlig ok wenn es ein Mann bemerkt und mir auch sagt – egal ob er in mein „Beuteschema“ passt oder nicht. Warum müsse wir es gleich als Machtkampf auslegen uns letztendlich selber zum Sexobjekt degradieren und uns in eine Ecke drängen, in der uns viele Männer von sich aus nie sehen würden.

 

Liebe Frauen, schreit da, wo es nötig ist. Kämpft mit allen Frauen, die tatsächlich sexuell belästigt wurden, kämpft darum, endlich die Anerkennung im Job zu bekommen, die euch zusteht – bei gleichem Gehalt wie Männer. Schreit um dieses Machtspiel zu beenden – warum müsse wir immer gegen Männer und gegeneinander kämpfen? Wir Frauen sind klasse, wir sind stark und wir haben tolle Körper. Seid doch ein wenig stolz auf euch und helft denen, die es wirklich nötig haben.