7 Minuten nach Mitternacht – der Kampf mit dem größten Monster

Im Moment scheint es so, als würde mich das Thema Tod und sterben begleiten. Im Dezember war es „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, worüber ich schon ausführlich berichtet habe. Gestern habe ich nun mit „7 Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness und Siobhan Dowd angefangen – und es heute gleich beendet.

 

Wer sich ein wenig mit Kinder und Jugendliteratur auskennt, wird sich nun sicher wundern, den das Buch ist von 2001, Dowd ist 2007 an Krebs gestorben. Das lässt sich recht einfach erklären. Die Figuren und das Expose stammen von ihr, doch sie erlag ihrer Krankheit, nachdem sie den Anfang geschrieben hatte. Ness nahm sich dem an und machte daraus eine Geschichte.

 

Eine Geschichte die gleichzeitig wunderbar, erschreckend und extrem ehrlich ist. Es geht um Conor und einen kurzen Abschnitt seines Lebens. Er ist 13 Jahr alt und hat eine Krebskranke Mutter, bei der man sich von Anfang an sicher ist, dass sie sterben wird. Die Krankheit ist schon weit vorangeschritten und der Leser lernt Conor in der dunkelsten Zeit kennen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Geschichte setzt um sieben Minuten Nach Mitternacht ein.. Der Junge ist grade aus seinem immer wiederkehrenden Alptraum erwacht, als ein Monster bei ihm im Garten auftaucht.

 

Das klingt sicher schräg, aber dennoch ist es sehr passend. Das Monster ist sehr alt und erschreckend, aber dennoch ist es da um Conor zu helfen. Es erzählt ihm – wie kann es auch anders sein – Geschichten. Sie muten wie Märchen oder Sagen an und das findet sich im ganzen Buch wieder. Sei es in der Großmutter, die nicht zugänglich wirkt, dem Vater, dem seine neue Familie wichtiger ist als sein Sohn, der grade seine Mutter verliert oder die trotz aller Schmerzen sanfte Mutter, die sich nur um ihren Sohn sorgt.

 

Das mag sich abschreckend anhören, ist aber für die Entwicklung des Buchs unumgänglich. Anders als bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hatte ich keine Stimmungsschwankungen beim Lesen – ich war wütend. Ich habe die ganze Wut Conors gespürt und verstanden. Da ist ein Junge, im Grunde noch ein Kind, der damit klar kommen muss, dass er seine Mutter verliert und bei seiner Oma leben wird, die er nicht mag, weil sein Vater ihn nicht zu sich nehmen will. Und alle Welt weiß nicht, wie sie mit ihm umzugehen hat.

 

Und dann kommt, kurz vor Schluss die Wendung. Der Moment an dem Conor klar wird, warum er das Monster gerufen hat. Der Moment in dem er sich mit seinem Alptraum auseinander setzt und zum ersten Mal klar sieht und dem Leser so richtig bewusst wird, worum es in diesem Buch geht. Wer mich kennt wird jetzt nicht erstaunt sein, wenn ich sage, ich habe geheult. Es hat mich sehr berührt und gleichzeitig tief traurig gemacht.

 

Das Buch ist wirklich wundervoll, für mich aber um Lägen härter, als „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Es ist etwas anderes, ob man sich mit seinem eignen Tod auseinander setzt, oder mit dem, des wichtigsten Menschen im Leben. Es ist ein Buch, das ich jedem ans Herz legen kann. Sicher es ist ganz klar (auch sprachlich) für Jugendliche geschrieben, aber die Wahrheit darin ist für jeden wichtig.

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Wittgenstein – Gedanken zum neuen Jahr

Da ist es also, das neue Jahr. Viel Lust auf den Jahreswechsel hatte ich ja nicht, dennoch war es ein gelungener Abend, mit vielen tollen Leuten und Gesprächen. Alles mehr oder minder ungeplant, aber dennoch spannend.

 

Vor allem im letzten Teil – einem interessanten Gespräch über Wittgenstein – gab es vieles, das mir jetzt noch zu denken gibt. Ansatz war es, darüber nachzudenken, ob es nicht Sinn machen würde, unsere Sprache soweit zusammen zu streichen, dass wir nur noch die nötigsten Worte zur Kommunikation haben. So sollen Missverständnisse ausgeschlossen werden. Im Grunde also eine spartanische Sprache.

 

Ich denke, je mehr ich darüber nachdenke, umso weniger begeistert bin ich von der Idee. Sicher, es würde vieles vereinfachen, aber ich mag Sprache. Ich mag die Vielfältigkeit, die sie bietet, auch wenn Missverständnisse oder viele Interpretationen möglich sind. Sprache sollte im Idealfall eine Möglichkeit sein, alles was wir sehen, fühlen und wahrnehmen wiederzugeben. Dafür benötigen wir eine Vielzahl von Worten und Abstufungen. Ich denke, eine geforderte Rationierung von Worten mag bei und für Maschinen funktionieren, nicht aber für uns.

 

Zudem forderte Wittgenstein, dass man nur über die Dinge sprechen möge, die man kennt. Das würde die Welt sicher einfacher machen. Aber es schränkt uns doch auch in unserer Freiheit ein. Ich denke, jeder sollte aussprechen können, was er möchte – auch wenn er sich in den Dingen nicht oder nicht gut auskennt. Was für eine Gesellschaft müsste es sein, in der man sich derart einschränken muss. Das fände ich furchtbar. Dennoch ist es ein interessanter Gedanke. Ist nicht jede Art von Programmiersprache ähnlich konzipiert? Versuchen wir es im Arbeitsleben nicht ähnlich zu handhaben? Wir verpacken nur nötige Informationen in möglichst einfache Strukturen um schnell und zielgerichtet zu kommunizieren? Aber wollen wir das auch im privaten? Ich bin mir sicher, dass das Thema mich noch eine Weile beschäftigen wird.