Das Schicksal ist ein mieser Verräter – mein Buch des Jahres

Es ist schon fast Tradition geworden, dass ich in jedem Jahr ein ganz besonderes Buch finde, dass ich noch mehr liebe als alle anderen. Dabei gibt es keine besonderen Auswahlkriterien und ich suche auch nicht danach – irgendwann ist dieses Buch da. So war es auch dieses Mal.

Zum Geburtstag bekam ich von einem sehr lieben Freund John Greens „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ geschenkt. Das ganze war sehr ungeplant, denn eigentlich wollte mir das Buch eine liebe Freundin schenken, nachdem ich ihr erzählt hatte, ich wolle es lesen. Nun liegt es neben mir. Ich habe mehr als einen Monat gebraucht um mich daran zu trauen. Warum? Das erklärt schon die kurze Beschreibung des Inhalts, den man überall im Netz findet. „Ich erzählte Augustus die Grundzügen meines Wunders: Als ich 13 Jahre alt war, wurde bei mir Schilddrüsenkrebs im vierten Stadium diagnostiziert. (Ich erzählte ihm nicht, dass die Diagnose drei Monate nach meiner ersten Periode kam, es war wie: Glückwunsch! Du bist eine Frau. Jetzt stirb.)“  Mit anderen Worten, es geht um die inzwischen 16-Jährige Hazel, die den 17. Jährigen Augustus in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Kinder kennen lernt, zu der sie nur sehr widerwillig geht.

Es kommt, wie es kommen muss: die beiden verlieben sich ineinander. Wer hier jedoch eine kitschig schnulzige Geschichte (wahlweise mit Happy End oder großem Drama) erwartet, wird herb enttäuscht. Die Geschichte wird aus Hazels Perspektive erzählt. Sie ist ein Teenie, meistens sehr reflektiert, dennoch scheut sie sich nicht, auch all die unschönen Dinge, sehr krass anzusprechen.

Das Buch hat mich von der erste Seite an gefangen. Es gehört zu den wenigen, bei denen mich jedes Geräusch um mich herum stört. Ich musste beim Lesen ganz für mich sein und war oftmals so gefangen in der Geschichte, dass ich Probleme hatte in die Realität zurück zu kommen. Ich habe viel und oft geweint und dann, keine drei Zeilen später so aus vollem Herzen lachen müssen, dass ich danach nicht nur verquollen, sondern auch komplett rot im Gesicht war.

Ich denke und hoffe, das jedem der so ein Buch liest klar ist, dass Krebs echt furchtbar ist und dass es den Menschen (egal ob Kind oder Erwachsener) wirklich, wirklich dreckig geht. Das ganze wird völlig ungeschönt beschrieben. Der Leser bekommt einen guten Einblick in Hazels Psyche und kann ihre Sorgen und Ängste teilen. Aber und das ist entscheidend, die Botschaft des Buches ist nicht: hey da sind krebskranke Kinder, habt Mitleid mit ihnen. Die Botschaft ist ganz klar: genieße jeden Tag den du hast. Sei aufmerksam. Schau dir die Welt an, in der wir leben und genieße dich.

Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Wie oft trabe ich einfach so durch den Tag, ohne einmal bewusst zu schauen, an was für einem Haus ich vorbei laufe, wer die Menschen sind, die neben mir stehen. Wie oft habe ich Musik auf den Ohren und höre nicht, dass sogar im Dezember noch Vögel zwitschern. Und wie oft nehme ich mein Leben als selbstverständlich hin? Versteht mich nicht falsch. Weder das Buch noch ich rufen dazu auf, das eigene Leben umzukrempeln, nach Afrika zu reisen und dort Schulen zu bauen (aber solltet ihr das jetzt machen wollen, ich halte euch nicht davon ab). Aber ich kann jedem nur empfehlen, mal einen Moment inne zu halten.

Ich habe mir (auch in Zusammenhang mit einem anderen Blogeintrag → http://www.lifeofmarco.de/21-12-2012/ ) einmal Gedanken darüber gemacht, was ich machen würde, wenn ich wüsste, ich hätte nicht mehr viel Zeit. Ich war erstaunt, denn es sind Dinge, die ich jeden Tag machen könnte, wenn ich mir mal fünf Minuten nehmen würde. Da ist nichts besonderes bei, wo die Ausreden: „Zu teuer, zu zeitintensiv, einfach unmöglich“ ziehen würden. Was, außer mir selbst hält mich also davon ab? Ich habe übrigens angefangen, die Liste abzuarbeiten. Ich stand barfuß in einer Pfütze (was echt kalt aber unglaublich toll war) und ich habe mich im Kreis gedreht, bis mir so schwindelig war, dass ich mich auf den Boden legen musste.

Also? Was würdet ihr machen? Ach ja, lest das Buch!

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2 Kommentare zu “Das Schicksal ist ein mieser Verräter – mein Buch des Jahres

  1. Nachdem ich ja schon einige gute Kritiken zu dem Buch gelesen habe und du das dann auch so beworben hast (Stadionliteratur sage ich nur), habe ich es mir dann doch gekauft, obwohl ich aufgrund des sehr schwierigen Themas lange gezögert habe. Aber ich habe den Kauf wie du mal gar nicht bereut. Bin noch nicht ganz fertig mit dem Buch, aber ich fand es großartig, und es hat mich emotional mehr mitgenommen, als ich gedacht habe (sowohl positiv wie negativ). Deswegen habe ich es auch fast nie in der Öffentlichkeit gelesen. Innerhalb von drei, vier Haltestellen im Bus Tränen vergießen und dann laut lachen müssen, macht ja wohl einen eher komischen Eindruck. Aber vielleicht mache ich es für die letzten 50 Seiten noch. Dann mache ich gleich noch Werbung für das Buch, das wirklich großartig ist und viel mehr lesen sollten. Dass man sich selbst plötzlich Gedanken macht, wie man sich in einer ähnlichen Situation verhalten würde, ist doch klar. Wäre ja schlimm, wenn nicht. John Greens Intention war ja unter anderem zu zeigen, dass Leben zufällig ist (hier nachzulesen: http://www.die-blaue-seite.de/2012/12/18/interview-mit-john-green-2/), und ich finde, das hat er ziemlich gut erreicht. Und im Prinzip ist es ja genau die Gefühlslage nach und während dem Lesen. Alles ist Zufall, du weißt nicht, was mit dir passiert, also genieße den Augenblick/Moment, den du hast und schenke ihm die größtmögliche Aufmerksamkeit. Finde ich, ehrlich gesagt, dauerhaft sehr schwierig einzuhalten. Aber das Nachdenken und die Reflexion darüber sind ja vielleicht ein guter Anfang 😉

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