Vierundvierzig Fragen von Michael Ende an den geneigten Leser -Teil 1-

Wer mich kennt, weiß das ich Bücher liebe. In der Regel habe ich auch immer eins in meiner Tasche. Im Moment ist Michael Endes: „Aber das ist eine andere Geschichte, das große Michael Ende Lesebuch“ mit dabei. Ich kann es jedem nur wärmstens ans Herz legen. Neben unveröffentlichten Kapiteln aus seinen Büchern findet man diverse Erzählungen, Gedichte, Balladen und Gespräche. Aber man findet auch vierundvierzig Fragen an den geneigten Leser. Ich habe erst gestutzt, aber dann hat es mich gepackt und ich musste sie einfach beantworten. Was dabei rum gekommen ist, könnt ihr jetzt hier nachlesen. Ich werde das ganze ein bisschen stückeln – ansonsten wär es arg lang. Aber ich würde mich über eure Meinung zu den Frage, gerne auch zu den Antworten, freuen.

Ein kleiner Nachtrag. Aus Gründen der Urheberrechte nehme ich einen großteil der Fragen raus und hoffe, dass die Antworten selbsterklärend sind.

  1. Wenn ich eine Sammlung von Kurzgeschichten erstellen würde, würde ich zuerst sammeln, was ich schon habe. Dann würde ich es thematisch sortieren, jede Geschichte noch ein paar mal lesen und dann die erste Ordnung umwerfen zugunsten einer neuen. Wahrscheinlich würde ich das so lange machen, bis man mir das ganze aus der Hand nimmt.

  1. Nein. Ich glaube auch nicht, dass Bücher in der Lage sind ein Leben zu verändern. Was sie oft tun ist meine Sicht auf gewisse Dinge verändern, meine Stimmung beeinflussen oder mich zum nachdenken bringen.

  1. Ich glaube nicht an Zufälle. Es wird schon seinen Sinn haben, wenn das passiert. Dass das schon öfter so war, möchte ich allerdings nicht bezweifeln.

  1. Auch. Die Bibel ist eine Mischung aus guter phantastischer Literatur und einem blutrünstigen Krimi. Nur im neuen Testament wird es oftmals ein bisschen eintönig. Und bevor sich jemand beschwert: ja ich habe sie gelesen und damit weiß ich wovon ich spreche.

  1. Ja! Allerdings würde ich auch nie behaupten es gäbe nur ein Moskau oder ein Berlin. Jeder nimmt die Welt um sich herum anders wahr, auch die Städte in denen wir leben. Sicher gibt es eine Schnittmenge, die auch nicht wegzudenken ist, aber wie eine Stadt auf mich wirkt, liegt an mir – oder eben Tolstoi, Fontane oder Maupassant.

  1. Ja. Auch hier haben wir unterschiedliche Sichtweisen auf den Mond. Dennoch sind beide magisch und letztendlich die blasse Scheibe (Sichel) die wir bei gutem Wetter in der Nacht sehen können. Wobei ich diese Frage je nach Tagesform auch anders beantworten könnte.

  1. Das kommt auf den Menschen an. Viele sind wirklich gut im Verdrängen. Grade ein Krieg und die Verbrechen die in ihm begangen werden können einen umbringen oder Todesquale leiden lassen. Wer es miterlebt hat, verdrängt meistens. Geschichten oder Erzählungen lassen wir anders an uns heran. Nur wer stark genug ist würde sie auf sich wirken lassen, ohne daran zu zerbrechen.

  1. Leid ist Leid. Entscheiden ist wie man damit umgeht und ob man sich darauf einlässt. Dennoch steht es niemandem zu, über das Leid eines anderen zu Urteilen oder es gar zu werten.

  1. Ist eine rote Fläche von einem Quadratmeter röter als eine gleichfarbige Fläche?

    Nein.

  1. Das würde implizieren, dass wir die einzigen Wesen sind, die so etwas wie eine Vorstellung haben können. Sollte dem so sein, dann lautet die Antwort ja. Allerdings ist dann fraglich, wie viel Wahrheit in der Vorstellung einer Welt außerhalb der menschlichen Vorstellung liegt.

  2. Nein. Allerdings ändert sich unsere Vorstellung meistens dann, wenn es eine Änderung der Wirklichkeit oder der Wahrnehmung gibt. Somit ändert sich meist unsere Vorstellung nachdem wir eine Änderung der Wirklichkeit bemerkt haben (hierzu kann man die Veränderung des Weltbildes betrachten).

  3. Ja, ich kann etwas denken, wofür es kein Wort gibt. Allerdings sind wir Menschen so schnell im bennen von Dingen, dass es nie lange Dinge gibt, die keinen Namen tragen.

  1. Wie gesagt, ich glaube nicht, dass man Worte benötigt um zu denken. Nur weil wir nicht nachvollziehen können, wie Kinder denken und eine geistige Leistung erbringen, derer viele Erwachsene nicht mehr im Stande sind, heißt es noch lange nicht dass sie es nicht könnten.

  2. Nein. Bei „schon“ und „eben“ handelt es sich um Füllwörter, die völlig bedeutungsfrei sind.

  3. Ich glaube nicht, dass wir ein Gedicht verstehen können. Wir können seinen Sinn erfassen, verstehen was uns mit ihm gesagt werden will, aber niemals ein ganzes Gedicht verstehen.

  4. Natürlich. Warum sollten sie auch nicht? Nur weil wir im Moment davon überzeugt sind, dass die Welt so ist, wie sie zu sein scheint, heißt es nicht dass sie es auch ist. Die Menschheit war auch lange davon überzeugt, die Erde sei eine Scheibe.

  5. Auch ein Nihilist hat gerne recht, auch wenn das ebenso sinnlos ist, wie nicht recht haben zu wollen. Aber wenn es schon egal ist, können es alle anderen doch auch wissen, oder etwa nicht?

  6. Nein. Muss ein Künstler, der eine gute Blume malt und sie in ihrem Wesen erkennt selber eine Art Blume sein? Also muss ein Maler auch kein Christus sein um einen zu malen.

  7. Nichts, aber ich finde auch nicht, dass es einer Rechtfertigung bedarf. Es sind Hilfsmittel um den Betrachter / Leser / Hörer zu erreichen. Durch die Dissonanz zwischen Dargestelltem und Medium regt zum Nachdenken an. Somit kann auch ein Bild über Folter optisch schön sein.

  8. Ob etwas schön ist oder nicht liegt ausschließlich an einem selbst. Es gibt viele Facetten von Schönheit, wie sie auf mich wirken, liegt an mir. Es mag zwar gesellschaftliche Normen für Schönheit geben, aber dennoch ist die Wahrnehmung subjektiv.

  9. Keinen. Der Ton entsteht nur durch das Zusammenspiel beider Hände, somit macht eine Hand alleine keinen Ton.

  10. Auch hier würde ich sagen, dass es das Zusammenspiel von beidem ist. Aber vielleicht ist es ja auch magisch? Dafür fehlt mir der technische Sachverstand. Also setzte ich auf eine kleine Fee, die nichts anderes tut, als den zeiger gen Norden zu richten. Anders kann so ein Kompaß doch nicht funktionieren,,,

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2 Kommentare zu “Vierundvierzig Fragen von Michael Ende an den geneigten Leser -Teil 1-

  1. spannend Deine Antworten – manche verlocken zur Gegenfrage: zu 2. was sind denn für Dich „Lebensveränderungen“ wenn neue Erkenntnisse keine Veränderung sind? Ist nicht der erste Schritt der Auslöser………

  2. Vielen lieben Dank. Ich denke dass ist auch gut so. Die Fragen erlauben keine richtige oder falsche Antwort. Sie regen mehr zu Gedankenexperimenten an und lassen uns über Dinge nachdenken, die uns sonst wahrscheinlich nicht durch den Kopf gegangen wären.
    Deine Frage gefällt mir. Auch hier fällt es mir schwer, ich klar fest zu legen. Eine Erkenntnis kann sicher der erste Schritt zu einer Veränderung sein. Ich würde sogar sagen im Idealfall führt sie dazu. Doch es ist zu einfach solche Erkenntnisse ganz schnell wieder zu verdrängen, wie etwa dass es sich lohnt, jeden Tag mit einem Lächeln zu begrüßen, so dass auf Dauer keine Veränderung eintritt.
    Aber ich muss zugeben dass ich bei Lebensveränderungen wahrscheinlich im ersten Moment zu groß gedacht habe, zu sehr an Jobwechsel, Umzüge, Kinder und Partnerschaften. Da haben Bücher, zumindest bei mir, nie einen Einfluss gehabt und ich bin mir sicher (so sicher wie man sich bei solchen Aussagen sein kann), dass sie das auch zukünftig nicht werden.

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