Vierundvierzig Fragen von Michael Ende an den geneigten Leser -Teil 2-

Heute geht es weiter. Ich muss sagen, es hat wirklich Spaß gemacht, vor allem da ich über manche Dinge wohl so nie nachgedacht hätte. Hier also der zweite und letzte Teil.

  1. Nein, auch wenn es das gleiche Buch ist, der Inhalt ist für jeden anders. Dort stehen zwar die selben Worte, aber sie lösen bei jedem etwas anderes aus, wecken andere Bilder. Aber das ist es ja auch, was Bücher so magisch macht.

  2. Im Kopf des Lesers geschieht das, was zwischen einem Leser und einem Buch vorgeht… und ein kleines bisschen auch in seinem Herzen.

  3. Der Mensch kann alles leugnen. Das haben wir eindrucksvoll bewiesen. Auch Dinge die es nicht gibt. Warum sollten wir dann nicht auch den Geist leugnen, ohne ihn zu haben?

  4. Es fällt ihnen schwer sich kurz zu fassen. Außerdem muss man meistens lange ausholen, um zu beweisen, dass man Recht hat. Also schreibt man einen Roman darüber, dass man keinen schreiben kann.

  5. Zählt es auch als ausdenken, wenn sich die Geschichte von alleine entwickelt? Sonst würde ich auf Feen setzten. Die wären doch ein prima allwissender Erzähler.

  6. Das eine wird mit Preisen überschüttet und hoch gelobt, das andere wird nicht grade gerne gesehen. Vielleicht liegt der Unterschied in den Welten. Eine Lüge trifft uns in der Realität, mit der dichterischen Fiktion werden wir in eine andere entführt. Zumal man damit rechnet in einem Buch dichterische Fiktion zu finden, in der Realität zumeist nicht.

  7. Das kommt immer auf die Situation an. Mir fällt es unheimlich schwer nichts zu tun, grade über einen langen Zeitraum. Aber das macht es noch lange nicht zur höchsten Kunst. Also würde ich hier zu nein tendieren.

  8. Weder das eine, noch das andere. Ein Dichter ist dazu verpflichtet das zu schreiben, was er fühlt, was in seinem Kopf ist. Ein Leser ist dazu verpflichtet beim lesen zu fühlen was entsteht und das dann zu verarbeiten.

  9. Muss nicht, aber es ist dennoch wahrscheinlich und gar nicht so abwegig. Wenn wir eine Sprache nicht kennen, kann man leicht glauben, etwas anderes zu lesen.

  10. Na, wer will einem Interpreten das Leben schon leicht machen? Die müssen doch auch was für ihr Geld tun. Wie sinnlos währe ihr Leben, hätte Kafka es ihnen leicht gemacht? Wo läge dann die Herausforderung und der Spaß dabei? Ich bin mir sicher, Kafka würde sich ins Fäustchen lachen, wenn er ihre Bemühungen sehen würde.

  11. Na wenn keiner liest machen die Personen all die Dinge die sie sonst nicht machen können. Essen (alleine), aufs Klo gehen, duschen, die Wohnung putzen (ohne Anlass, einfach weil es mal wieder sein muss), die Blumen gießen oder völlig belanglos lesen oder Fern sehen.

  12. Ich denke schon, auch wenn es negativer klingt als es ist. Allerdings geht uns damit auch manchmal der Blick für all die kleinen schönen Dinge im Leben verloren, die wir übersehen auf der Suche nach etwas schönem, das uns anspringt.

  13. Nein und ich denke auch nicht dass es einenDurchschnittsmenschen gibt , dass es so jemanden gibt.

  1. Auf jeden Fall. Ich wittere da eine Verschwörung! Es ist sehr verdächtig, dass die Literatur nur aus 26 Buchstaben besteht.

  2. Es ist nicht unwahrscheinlicher als jede andere Schöpfungsgeschichte.

  3. Es wäre dann vermutlich ein ganz normaler Tanz. Die Schritte gäbe es somit, allerdings fehlt die Bedeutung. Man

  4. Puh, mit solchen Dingen kenne ich mich nicht aus. Es muss ein sehr unromantischer gewesen sein! Elektrochemische Prozesse haben es an sich, ekelig realistisch zu sein. auch die im Gehirn.

  5. Im Traum wirkt unser Unterbewusstsein. Somit sei schon einmal festgestellt, dass Träume eine Wirklichkeit haben. Allerdings jene, die uns oftmals lieber nicht Bewusst wäre.

  6. Nein. Es gibt Bücher die uns gut tun und Bücher die uns traurig machen, aber ich denke nicht dass sie krank oder gesund machen können.

  7. Ich habe es vermutet, aber ich denke bemerken sollten wir es nicht. Sonst könnten wir uns darauf vorbereiten und damit wären unsere Wünsche verfälscht oder zu wohl überlegt. Das wäre doch schade. Der besuch einer Fee sollte immer überraschend sein.

  8. Hm ich denke das kommt auf den Einzelnen an. Mir fällt es schwerer das Leichte zu machen. Das Schwere ist eine Herausforderung, das motiviert mich. Beim Leichen muss ich mich immer erst überwinden.

  9. Ich habe sie durchnummeriert. Das reicht als Antwort oder?

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Vierundvierzig Fragen von Michael Ende an den geneigten Leser -Teil 1-

Wer mich kennt, weiß das ich Bücher liebe. In der Regel habe ich auch immer eins in meiner Tasche. Im Moment ist Michael Endes: „Aber das ist eine andere Geschichte, das große Michael Ende Lesebuch“ mit dabei. Ich kann es jedem nur wärmstens ans Herz legen. Neben unveröffentlichten Kapiteln aus seinen Büchern findet man diverse Erzählungen, Gedichte, Balladen und Gespräche. Aber man findet auch vierundvierzig Fragen an den geneigten Leser. Ich habe erst gestutzt, aber dann hat es mich gepackt und ich musste sie einfach beantworten. Was dabei rum gekommen ist, könnt ihr jetzt hier nachlesen. Ich werde das ganze ein bisschen stückeln – ansonsten wär es arg lang. Aber ich würde mich über eure Meinung zu den Frage, gerne auch zu den Antworten, freuen.

Ein kleiner Nachtrag. Aus Gründen der Urheberrechte nehme ich einen großteil der Fragen raus und hoffe, dass die Antworten selbsterklärend sind.

  1. Wenn ich eine Sammlung von Kurzgeschichten erstellen würde, würde ich zuerst sammeln, was ich schon habe. Dann würde ich es thematisch sortieren, jede Geschichte noch ein paar mal lesen und dann die erste Ordnung umwerfen zugunsten einer neuen. Wahrscheinlich würde ich das so lange machen, bis man mir das ganze aus der Hand nimmt.

  1. Nein. Ich glaube auch nicht, dass Bücher in der Lage sind ein Leben zu verändern. Was sie oft tun ist meine Sicht auf gewisse Dinge verändern, meine Stimmung beeinflussen oder mich zum nachdenken bringen.

  1. Ich glaube nicht an Zufälle. Es wird schon seinen Sinn haben, wenn das passiert. Dass das schon öfter so war, möchte ich allerdings nicht bezweifeln.

  1. Auch. Die Bibel ist eine Mischung aus guter phantastischer Literatur und einem blutrünstigen Krimi. Nur im neuen Testament wird es oftmals ein bisschen eintönig. Und bevor sich jemand beschwert: ja ich habe sie gelesen und damit weiß ich wovon ich spreche.

  1. Ja! Allerdings würde ich auch nie behaupten es gäbe nur ein Moskau oder ein Berlin. Jeder nimmt die Welt um sich herum anders wahr, auch die Städte in denen wir leben. Sicher gibt es eine Schnittmenge, die auch nicht wegzudenken ist, aber wie eine Stadt auf mich wirkt, liegt an mir – oder eben Tolstoi, Fontane oder Maupassant.

  1. Ja. Auch hier haben wir unterschiedliche Sichtweisen auf den Mond. Dennoch sind beide magisch und letztendlich die blasse Scheibe (Sichel) die wir bei gutem Wetter in der Nacht sehen können. Wobei ich diese Frage je nach Tagesform auch anders beantworten könnte.

  1. Das kommt auf den Menschen an. Viele sind wirklich gut im Verdrängen. Grade ein Krieg und die Verbrechen die in ihm begangen werden können einen umbringen oder Todesquale leiden lassen. Wer es miterlebt hat, verdrängt meistens. Geschichten oder Erzählungen lassen wir anders an uns heran. Nur wer stark genug ist würde sie auf sich wirken lassen, ohne daran zu zerbrechen.

  1. Leid ist Leid. Entscheiden ist wie man damit umgeht und ob man sich darauf einlässt. Dennoch steht es niemandem zu, über das Leid eines anderen zu Urteilen oder es gar zu werten.

  1. Ist eine rote Fläche von einem Quadratmeter röter als eine gleichfarbige Fläche?

    Nein.

  1. Das würde implizieren, dass wir die einzigen Wesen sind, die so etwas wie eine Vorstellung haben können. Sollte dem so sein, dann lautet die Antwort ja. Allerdings ist dann fraglich, wie viel Wahrheit in der Vorstellung einer Welt außerhalb der menschlichen Vorstellung liegt.

  2. Nein. Allerdings ändert sich unsere Vorstellung meistens dann, wenn es eine Änderung der Wirklichkeit oder der Wahrnehmung gibt. Somit ändert sich meist unsere Vorstellung nachdem wir eine Änderung der Wirklichkeit bemerkt haben (hierzu kann man die Veränderung des Weltbildes betrachten).

  3. Ja, ich kann etwas denken, wofür es kein Wort gibt. Allerdings sind wir Menschen so schnell im bennen von Dingen, dass es nie lange Dinge gibt, die keinen Namen tragen.

  1. Wie gesagt, ich glaube nicht, dass man Worte benötigt um zu denken. Nur weil wir nicht nachvollziehen können, wie Kinder denken und eine geistige Leistung erbringen, derer viele Erwachsene nicht mehr im Stande sind, heißt es noch lange nicht dass sie es nicht könnten.

  2. Nein. Bei „schon“ und „eben“ handelt es sich um Füllwörter, die völlig bedeutungsfrei sind.

  3. Ich glaube nicht, dass wir ein Gedicht verstehen können. Wir können seinen Sinn erfassen, verstehen was uns mit ihm gesagt werden will, aber niemals ein ganzes Gedicht verstehen.

  4. Natürlich. Warum sollten sie auch nicht? Nur weil wir im Moment davon überzeugt sind, dass die Welt so ist, wie sie zu sein scheint, heißt es nicht dass sie es auch ist. Die Menschheit war auch lange davon überzeugt, die Erde sei eine Scheibe.

  5. Auch ein Nihilist hat gerne recht, auch wenn das ebenso sinnlos ist, wie nicht recht haben zu wollen. Aber wenn es schon egal ist, können es alle anderen doch auch wissen, oder etwa nicht?

  6. Nein. Muss ein Künstler, der eine gute Blume malt und sie in ihrem Wesen erkennt selber eine Art Blume sein? Also muss ein Maler auch kein Christus sein um einen zu malen.

  7. Nichts, aber ich finde auch nicht, dass es einer Rechtfertigung bedarf. Es sind Hilfsmittel um den Betrachter / Leser / Hörer zu erreichen. Durch die Dissonanz zwischen Dargestelltem und Medium regt zum Nachdenken an. Somit kann auch ein Bild über Folter optisch schön sein.

  8. Ob etwas schön ist oder nicht liegt ausschließlich an einem selbst. Es gibt viele Facetten von Schönheit, wie sie auf mich wirken, liegt an mir. Es mag zwar gesellschaftliche Normen für Schönheit geben, aber dennoch ist die Wahrnehmung subjektiv.

  9. Keinen. Der Ton entsteht nur durch das Zusammenspiel beider Hände, somit macht eine Hand alleine keinen Ton.

  10. Auch hier würde ich sagen, dass es das Zusammenspiel von beidem ist. Aber vielleicht ist es ja auch magisch? Dafür fehlt mir der technische Sachverstand. Also setzte ich auf eine kleine Fee, die nichts anderes tut, als den zeiger gen Norden zu richten. Anders kann so ein Kompaß doch nicht funktionieren,,,