Die Sache mit Michael Rensing

Wieder einmal spaltet ein Torwart-Transfer die Gemüter der Bayer-Fans. Seit dem durch die Medien sickerte, dass Michael Rensing ein Thema bei uns ist laufen die Fans Sturm. Dabei teilen sie sich in zwei Lager. Die einen, die ihn für einen guten Torwart halten und in ihm somit eine gute Alternative zu oder hinter Leno sehen und die anderen die den Kölner nicht bei uns haben wollen. Beschäftigen wir uns doch erst einmal mit zweiteren.

Ein Kölner bei uns im Tor? Noch dazu einer der sich bei den Geisböcken wohl fühlte und mehr als einmal anmerkte, dass er gerne dort bleiben würde? Das geht für viele Leverkusener Herzen natürlich nicht. Das ist ja fast so als würde man Podolski verpflichten. Das und ähnliche Aussagen sind an der Tagesordnung. Ein wirkliches Argument gegen Rensing ist es aber nicht. Also suchen wir weiter nach Gründen, die gegen ihn sprechen. Wir müssten ihm ein Gehalt zahlen. Das ist Geld, das so manch einer lieber anders angelegt sähe. Lässt man das so stehen, klingt es fast nach einem plausiblen Argument. Doch es geht noch weiter. Wir müssten dem „Kölner Pack“ ja auch eine Ablösesumme zahlen. Das, so die Gegensprecher, kommt unserer Geschäftsführtung – in Person Wolfgang Holzhäuser – natürlich sehr entgegen, denn er ist ja schließlich auch Kölner. Entrüstete Fans fordern ihn zum Rückzug auf, im schlimmsten Fall wird sogar gefragt, wann ihn endlich jemand umbrächte.

Ehrlich gesagt bin ich entsetzt. Bei aller Rivalität zum rhenischen Nachbarn, ein bisschen Vernunft und gesunden Menschenverstand hätte ich bei diesem Thema schon erwartet. Lässt man einmal die Rivalität bei Seite, erinnert mich dieser Transfer doch ein wenig an den Timo Hildebrands, der auch erst belächelt und hinterher gefeiert wurde.

Bleiben wir aber doch bei Michael Rensing. Der Transfer ist durch. Seit heute spielt er für Leverkusen – im übrigen Ablösefrei. Ich möchte an dieser Stelle auch kurz anmerken, dass er kein Kölner ist – geboren wurde er im Emsland. Er hat in Köln gespielt, wie vor ihm schon viele, aber das heißt nicht, dass er dort zu Hause ist. Es gehört zum Profigeschäft Vereine zu wechseln. Wenn wir uns die momentane Situation anschauen sehe ich eine klassische Win-Win Situation. Leverkusen bekommt einen soliden zweiten Torwart, der nicht nur Leno ein bisschen Druck machen kann, sondern auch im Zweifel für unsere Nummer eins einspringen kann. Michael Rensing hat bewiesen, dass er ein guter Torwart ist – was in Köln nicht funktioniert hat war seine Abwehr. Für ihn heißt der Transfer, dass er sich ein Jahr lang fit halten kann und unter Umständen Spiele bestreiten wird, um sich so für einen neuen Verein zu empfehlen.

Wo wir dem FC nun kein Geld für Rensing zahlen – im Gegenteil, sie zahlen Rensing Geld dafür, dass er zu uns kommt – welcher Grund bleibt dann noch unserer Geschäftsführung dafür vors Bein treten zu wollen? Sicher, es ist ein weiteres Gehalt, dass gezahlt werden muss, aber seien wir mal ehrlich. Haben wir eine sichere, verlässliche Alternative hinter Leno? Wie schnell man einen guten Erstaz im Tor benötigt haben wir in der letzten Saison zu genüge gesehen.

Ich für meinen Teil halte es für einen gelungenen Transfer und bin gespannt was diese Saison mit sich bringt.

Kleine Nachtgedanken

Das ich zuweilen schlecht schlafe, ist kein Geheimnis. Sicher ist es Tagsüber anstrengender, aber es gibt Phasen, da mag ich diese gestohlenen Stunden in der Nacht. Sie gehören ganz mir, meinen Gedanken, Büchern, meiner Musik.

Heute war wieder so ein Abend. Ich war müde und wollte nur zeitig ins Bett. Doch kaum bin ich in meinem Schlafzimmer, ist die Müdigkeit verflogen und eine nervöse Vorfreude stellt sich ein, die ich mir wenig erklären kann. Da ich jedoch weiß, dass es nichts bringt, mich hinzulegen und auf den Schlaf zu warten, mache ich es mir gemütlich. Ich lösche alle Lichter, schalte meine momentane Lieblingsmusik ein und nehme meinen liebsten Platz in der Wohnung ein – die Fensterbank in meinem Schlafzimmer.

An Abenden wie heute kann ich von dort aus perfekt die Sterne sehen. Die Tatsache, dass heute Sternschnuppennacht ist, ist nur ein zusätzlicher Bonus. In zwei Kissen gekuschelt sehe ich tatsächlich zwei von ihnen. Ich merke in solchen Momenten wie ich völlig zur Ruhe komme. Das liegt nicht an den Sternen. Regnet es draußen, ist es nicht weniger gemütlich. Ich kann die Fenster so vieler Häuser sehen, erahnen was die Leute da hinter machen. Ich sehe wie ein Licht nach dem anderen erlischt und die Leute zu Bett gehen. Das beruhigt mich, das fühlt sich gut an. Für einen Moment habe ich das Gefühl, ein Stückchen an ihrem Leben teil zu haben. Es huscht an mir vorbei, ebenso wie die Sternschnuppen, die heute zu sehen waren. Sie sind nur ein sanftes Aufleuchten am Himmel und doch berühren sie uns – mich.

Ich kann beobachten wie die Welt um mich herum zur Ruhe kommen – Geräusche verebben, machen Platz für ganz neue. Lichter verblassen und machen Platz für immer neue Sterne, deren Bewegung am Himmel so gut zu sehen ist. Und doch bin ich nicht die Einzige, die wach ist. Ich sehe Nachtfalter, kleine Tiere die vor meinem Fenster auf und ab schwirren, angelockt von den entzündeten Kerzen. Das ist ein Bild, das mir gefällt. Es ist stimmungsvoll und gibt mir das Gefühl, ganz zu sein, egal wie turbulent mein Leben auch ist.

Letztendlich weiß ich, es geht mir gut. Ich mag diese gestohlenen Stunden voller Ruhe – zeigen sie mir doch, dass es wichtig ist, das Beste aus dem zu machen, was man hat.

Shopping-Wahnsinn in Wuppertal

Es ist schier unfassbar was sich heute am Bahnhof in Wuppertal abspielte. Nun, nicht wirklich am Bahnhof. Es ereignete sich in der Ihr-Platz Filiale im Bahnhof. Diese wird in den nächsten Tagen schließen. Nicht etwa auf Grund der Schlecker Pleite, nein das Gebäude in dem sie sich befindet wird schlicht weg abgerissen. Da die Regale noch gut gefüllt sind, dachte sich ein findiges Genie, dass es eine gute Idee sei, alles um 50% zu reduzieren.

So weit so gut. Scheinbar wurde aber die Habgier und die nicht funktionstüchtigen Gehirne (bei Sichtung solcher Rabatte) etlicher Mitmenschen unterschätzt. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass es im ganzen Laden nur einen Mitarbeiter gab – und somit auch nur eine Kasse. Wenn ich mich umschaute, kam das Gefühl auf, dass wir kurz vor dem dritten Weltkrieg stehen müssten. Oder es ab morgen nichts mehr zu kaufen gibt – seien es Kaffee, Waschmittel, Kosmetikartikel oder Süßigkeiten. Frauen und Männer in allen Altersstufen standen in einer Schlange durch den ganzen Laden (der in etwa 50 Meter lang ist) mit völlig überfüllten Einkaufswagen an.

Mitten in der Schlange ein Mädchen, das nur eine Flasche Apfelschorle in der Hand hatte. Jetzt sollte man aber nicht glauben, dass sie auch nur von einem Menschen vorgelassen wurde. Da wurde gedrängelt, gepöbelt und gemeckert, wenn jemand es wagte zu einem vollen Einkaufswagen auch noch einen vollen Korb ei sich zu führen.

Doch was steckt dahinter? Sind die fünfzig Prozent so verlockend, dass der gesunde Menschenverstand aussetzt? Oder benötigt man doch 10 Packungen Waschpulver, 6 Flaschen mit Scheuermilch, 15 Pakete Kaffee und 7 Dosen Kekse? Vielleicht tue ich den Menschen auch unrecht und sie haben Waschsalons, Cafés in denen Gebäck zur Tasse gereicht wird oder ähnliches. Ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen dass es mich abgeschreckt und tatsächlich auch ein wenig angeekelt hat. Dabei spielt es kaum eine Rolle ob es nun der Konsumrausch oder aber die pfiffige Sparsamkeit ist.

Ich habe mir meinen Nagellack, den ich dort eigentlich kaufen wollte, in einem anderen Drogeriemarkt gekauft – zum regulären Preis und mir geht es wunderbar damit.

Ein Besuch auf der Apfelwiese

Seit nun mehr einem halben Jahr habe ich mich auf dieses Wochenende gefreut. Es sollte wieder nach Diepholz gehen. Diep-wer? Wird sich nun so manch einer fragen. Diepholz liegt etwa auf halber Strecke zwischen Oldenburg und Bremen. Es handelt sich um ein verschlafenes Dörfchen, umgeben von Feldern und Wäldern. Malerisch, trifft es recht gut. Doch einmal im Jahr fallen Liebhaber guter, meist noch recht unbekannter Indie-Musik dort ein und machen sich für zwei Tage breit. Diepholz ist nun seit mehr als 10 Jahren Heimat des Appletree Garden Festivals. Dieses Jahr war mein zweites dort.

Das letzte Jahr hat mich völlig überzeugt. Rund 2000 Menschen, zwei liebevoll arrangierte Bühnen, viele Bäume, Seifenblasen, Glitzer und gute Musik. Die Leute dort waren leicht verschroben, aber alle zusammen doch toll. Die Musik war gut und die Stimmung, trotz des durchwachsenen Wetters, großartig. Das haben wir uns für dieses Jahr auch gewünscht.

Wie schon im letzten Jahr sind wir erst Freitag Mittag angereist, also am ersten Konzerttag. Doch im Gegensatz zum letzten Jahr war es gerammelt voll, noch einen Zeltplatz zu finden unmöglich. Wie sollte das gehen? Die Lösung war schnell gefunden. Bei scheinbar gleicher Campingfläche waren es in diesem Jahr 1000 Gäste mehr. Suboptimal, wie ich finde. Da wir jedoch eh beschlossen hatten in den Autos zu schlafen, war das unser geringstes Problem. Der nächste Schock waren die vielen Minderjährigen die im letzten Jahr noch nicht entdeckt hatten, wie cool so ein kleines, unbekanntes Festival sein kann. Das war dann doch etwas frustrierender. Langsam keimte in mir die Frage auf, ob ich einfach nur zu alt werde. Eine Antwort habe ich zu dem Zeitpunkt nicht gefunden.

Erschreckend war ebenfalls die Kleiderwahl. Ich bin einiges gewöhnt, grade auf Festivals. Ich habe Wacken modisch überlebt, da können mich so ein paar eher individuell gestaltete Menschen doch nicht umhauen. Oder? Leider doch. Ob man auf Festivals im Bikini rumlaufen muss ist eine streitbare Frage. Allerdings finde ich es schade, dass Individuell dieses Jahr scheinbar aus war. Die Massen an Menschen die aussehen wollen wie Hipster war groß. Dabei spreche ich vielen der vorwiegend weiblichen Festivalbesuchern ab, zu wissen warum sich ein „Hipster“ so kleidet wie er es tut und welche Aussage dahinter steckt. Es waren fast ausschließlich Mädels die sich so kleiden, weil sie denken es ist grade modisch hip. Dazu kommt die immense Verwendung von Worten wie Ey (was scheinbar vor jeden Satz gestellt alles cool macht) und Alter (grade in Kombination mit Ey sehr Aussagekräftig). Ich glaube das war der Moment in dem ich mich doch alt gefühlt habe.

Die Musik war auch in diesem Jahr wirklich gut, vielleicht sogar besser als im letzten. Ich kannte nicht alle Bands, aber das machte nichts. Mein High-Light, auf das ich mich schon seit Bekanntgabe gefreut hatte, war Dillon. Die Frau ist der Wahnsinn. Sie hat mich mit ihrer Art und Stimme völlig umgehauen. Das konnten auch die zwei Pärchen vor mir nicht trüben (Marke: noch keine 18 und Fummeln ist wichtiger als das Konzert und Marke: Geil wir stehen in der Frontrow, finden die Band aber kacke). Auch der während des Konzert eintretende Regen war irgendwie passend. Ich habe diese Stunde zelebriert und ich wage zu behaupten: Das Festival hat sich alleine deswegen gelohnt.

Die Nacht im Auto war dann besser als erwartet – doch die Stimmung am nächsten Morgen war bescheiden, ob des Regens oder der Vielzahl an unangenehmen Menschen um uns vermag ich nicht klar zu sagen. Auf jeden Fall haben wir uns entschlossen unsere „Zelte“ abzubrechen. Vielleicht sind wir doch zu alt für den Mist geworden. Im nächsten Jahr wollen wir nicht mehr hin fahren. Ich freue mich für die Organisatoren und Köpfe der Apfelwiese, dass ihr kuschliges Festival so gewachsen ist und immer mehr Leute aus aller Welt anzieht, aber für mich ist es somit nichts mehr. Mir hat grade das Überschaubare gefallen, diese Hand voll Menschen die sich auf leicht schräge Weise einmal im Jahr treffen und sich treiben lassen, im Garten, wo die Welt noch in Ordnung war. Ich mag zu alt geworden sein, oder aber zu anspruchsvoll, aber mir ist einmal mehr klar geworden bin, dass ich kein Freund der Massen bin.