Die siebte Welle

Ich bin ein sturer Mensch. Meistens. Wenn ich mir etwas vornehme, dann ziehe ich es auch durch. Meistens. Gestern bin ich dann doch einmal schwach geworden. Dabei ging es um ein Buch, was erstaunlich ist. Wenn ich mir vornehme ein Buch nicht zu lesen, dann tue ich es nicht. Habe ich noch nie getan, bis gestern. Um das zu erklären muss ich weiter ausholen.

Vor ein paar Jahren las ich „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer. Ein begnadeter Autor. Selten habe ich es erlebt, dass ein Autor die Sprache so perfekt beherrscht, so wundervoll Die Dinge beschreibt und aus scheinbar einfachen Sätzen eine fast schon magische Geschichte schreibt. Für alle die es nicht gelesen haben: Es geht um Emmi Rothner und Leo Leike die sich per Zufall kennen lernen. Nicht auf der Straße oder in einem Café, nein sie treffen sich via Mail. Immer und immer wieder. Daraus wird eine Freundschaft die so viel tiefer ist, so viel mehr ist, als beide zugeben wollen. Der Leser bekommt nur die E-Mails vorgesetzt, kann häppchenweise in die Geschichte wachsen, sich mit den beiden freuen, lachen, nachdenken und weinen. Ich war selten so berührt beim Lesen.

Sollte es jemand noch nicht kennen und lesen wollen: lasst diesen Absatz aus! Je näher ich dem Ende kam desdo mehr habe ich auf ein Happy Ende gehofft, auf ein Treffen der beiden. Doch es kam nicht dazu. Das Ende war offen, traurig und ich habe gedacht ich würde zutiefst frustriert das Buch in eine Ecke zimmern. Doch weit gefehlt. Das Ende war perfekt. Auch wenn ich mir etwas anderes gewünscht hätte, es war so stimmig dass ich zufrieden war.

Bei einem Gang durch meine liebste Buchhandlung fiel mir dann ein wenig später auf dass es einen zweiten teil gibt. „Alle sieben Wellen“ heißt er. Nun gut. Die Anlehnung an die Legende der siebten Welle lässt vermuten in welche Richtung es gehen könnte, wobei man sich da bei Glattauer ja nie sicher sein kann, aber dennoch wollte ich dieses Buch nicht lesen. Das erste Buch endete so stimmig dass ich die Befürchtung hatte, dass mich das lesen nur frustrieren würde. Emmi und Leo, das war für mich Geschichte. Das kann doch nichts sein, Befriedigung der Leser, so oder so ähnlich war der O-Ton in meinem Kopf. Dabei blendete ich völlig aus, dass es für diesen Autor völlig untypisch wär.

Gestern war ich nun also mit meiner Mutter unterwegs. Den letzten Zwischenstopp machten wir in einer Buchhandlung. Da sie noch länger brauchte wollte ich mich mit einem Buch hinsetzten und es etwas anlesen. Und da war es wieder. Die sieben Wellen lachten mich an und aus einem mir nicht erklärlichen Grund musste ich anfangen es zu lesen. Das Ende vom Lied? Ich hab es gekauft und an zwei Abenden aus gelesen. Es war so anders als erwartet. So viel besser, so rund so richtig. Ich kann es jedem nur ans Herz legen. Wieder ein Buch von Glattauer in dem es um Menschen geht – und die Liebe, die aber dennoch eine wenig kitschige Nebensache ist. Sie passiert, still und leise ohne all den Kitsch, die Fanfaren und Einhornpupse. Ich habe mitgelitten, mitgefiebert und am Ende doch noch ein Tränchen verdrückt. Warum? Weil es so herrlich normal, so menschlich ist!

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Ein Kommentar zu “Die siebte Welle

  1. ……. danke sehr für diesen Text!!!! Da stellt sich mir nur die Frage, WIESO HABE ICH DIESES BUCH NICHT GELESEN?????

    Jetzt ist Samstag Abend, vielleicht morgen zum Buchladen am Bahnhof, oder warten bis ich es ausleihen kann????

    Da passiert gerade etwas in mir……. „Gut gegen den Nordwind“ habe ich sehr gerne gerne gelesen…. JETZT ist die richtige Zeit für die Fortsetzung…..

    ich freue mich darauf 😉

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